EZB-Sitzung Inflationsprognose wird wahrscheinlich korrigiert

Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi | © Getty Images

Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi Foto: Getty Images

Die Worte, die die Währungshüter zur Beschreibung des Ausblicks für die Region wählen, werden wohl Anhaltspunkte dazu liefern, ob sich die Notenbank in Richtung eines Rückbaus der unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen zur Konjunkturankurbelung bewegt. EZB-Präsident Mario Draghi und einige seiner Rats-Kollegen hatten im Vorfeld des Treffens in Tallinn versucht, Erwartungen an große Signale einzudämmen. Sie argumentierten, dass es keine Gründe für Eile bei einem Ausstieg gebe.

Ergebnisse am frühen Nachmittag erwartet

Der EZB-Rat wird seine Entscheidung um 13.45 Uhr verkünden. Draghi plant, 45 Minuten später eine Pressekonferenz abzuhalten.

Positiv zu berücksichtigen ist, dass sich das Wachstum besser als erwartet entwickelt hat. Im Mai hatten das verarbeitende Gewerbe und die Dienstleistungen in der Eurozone so stark zugelegt wie seit sechs Jahren nicht mehr – angetrieben von den beiden größten Volkswirtschaften der Region: Deutschland und Frankreich.

Neunzig Prozent der Volkswirte in einer Umfrage von Bloomberg prognostizieren, dass Draghi anerkennen wird, dass die Risiken für die Erholung nicht länger nach unten gerichtet sondern ausgewogen sind. Diese Formulierung ist schon seit August 2011 nicht mehr benutzt worden, als der damalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet noch im Amt war.

Problemkind Inflation

Das Rätsel für die EZB bleibt die flaue Inflation. Zwar hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann vergangene Woche geäußert, dass es angesichts der stärkeren wirtschaftlichen Erholung zunehmend wahrscheinlich sei, dass der Anstieg der Inflation, der seit August 2016 zu beobachten ist, nicht nur ein Strohfeuer ist. Doch Vorsicht ist wohl geboten.

Die EZB wird wahrscheinlich ihre Inflationsprognosen bis 2019 aufgrund der schwächeren Energiepreise reduzieren, wie Bloomberg aus unterrichteten Kreisen im Euroraum erfuhr. Dem Entwurf ihrer Projektionen zufolge rechnet die Notenbank nun mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von rund 1,5 Prozent jeweils 2017, 2018 und 2019.

Angesichts dessen wird sich der EZB-Rat möglicherweise dafür entscheiden, eine Veränderung der Forward-Guidance zu verschieben. Diese besagt, dass die Zinsen auf ihrem derzeitigen Niveau oder darunter bis deutlich nach dem Ende der quantitativen Lockerung verharren werden. Derzeit ist vorgesehen, dass die Anleihekäufe bis mindestens zum Ende des Jahres mit einem Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat laufen.

Am 29. Mai hatte sich Draghi letztmalig vor dem Zinsentscheid am heutigen Donnerstag öffentlich geäußert.

“Wir bleiben fest davon überzeugt, dass ein außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung, einschließlich der Forward Guidance, noch immer notwendig ist", sagte er. Der inländische Kostendruck, insbesondere durch die Lohnentwickluing, sei immer noch unzureichend, um die Inflation wieder in die Nähe des Zielwerts von knapp 2 Prozent zurückzubringen und dauerhaft zu stabilisieren.