Finanzmärkte und Notenbanken Darum lohnt sich der Blick auf die Fundamentaldaten

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement und Fondsmanager der Phaidros Funds

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer der Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement und Fondsmanager der Phaidros Funds

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Dieser aktuell wieder viel zitierte und angeblich auf den ehemaligen Wirtschaftsminister der ersten Großen Koalition, Karl Schiller, zurückgehende Ausspruch macht deutlich, vor welchem Dilemma damals wie heute die Geld- und Fiskalpolitik in den USA und Europa steht. Im Februar stellte der „Economist“ die provokante Frage, ob die Notenbanker mit ihrem Latein am Ende seien bzw. ihr gesamtes Pulver bereits verschossen hätten. Aber man sollte trotz der vielen geglückten und weniger geglückten Experimente seit der Finanzkrise nicht die Fähigkeit der Notenbanken unterschätzen, die Finanzmärkte auch heute noch zu überraschen.

Am 10. März war es wieder so weit: Nachdem Mario Draghi noch im Dezember die Finanzmärkte auf dem falschen Fuß, sprich in zu optimistischer Erwartungshaltung, erwischt hatte, hat er diesmal geliefert, ja sogar übererfüllt. Neben der bereits erwarteten Reduktion des Einlagenzinses auf -0,4 Prozent sollen auch zukünftig für monatlich 80 statt 60 Mrd.€ Anleihen gekauft werden und zwar erstmals auch Unternehmensanleihen aus dem Nichtbankenbereich.

Überraschend war jedoch die Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes von 0,05 Prozent auf 0 Prozent und die Auflage von Langfristtendern, über die sich Banken sogar zu einem negativen Zinssatz (bis zu -0,4 Prozent) Geld bei der EZB leihen können, womit die Folgen aus den „Strafzinsen“ für Einlagen bei der EZB gemildert werden sollen. Im ersten Augenblick entstand der Eindruck, die EZB sei in Panik verfallen, so dass der DAX nach anfänglichen Kursgewinnen wieder 500 Punkte abgab und über 2 Prozent im Minus schloss.

Maßnahmen der EZB wirken sich positiv auf die Börsen aus

Am nächsten Tag setzte sich jedoch die Meinung durch, dass die angekündigten Maßnahmen der EZB zumindest kurzfristig sehr positiv für die Börsen sein werden: Folglich konnten Aktien und Anleihen ihre Vortagesverluste mehr als wettmachen. Unternehmensanleihen aus dem Investmentgrade-, aber auch aus dem Hochzinssegment, bauten ihre Kursgewinne vom Vortag sogar noch weiter aus.

Aber die EZB soll ja mit ihrer Politik weniger die Finanzmärkte bei Laune halten, die sowieso immer zwischen Euphorie und Katerstimmung schwanken, sondern vielmehr die wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Folgen ihrer „Experimente“ im Auge behalten. Hier gilt es vor allem, ihr größtes Kapital, ihre Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit, zu erhalten. Hierbei handelt es sich aber nicht nur um ein EZB-spezifisches Problem.

Die FED wagte im Dezember nach sieben Jahren Nullzinspolitik erstmals wieder eine Mini-Zinserhöhung. Das Weltfinanzsystem ist aber offensichtlich immer noch so fragil, dass prompt in den Schwellenländern die Angst umging, die Schuldenlast in US-Dollar nicht mehr tragen zu können.

Die EZB und die „Zombiebanken“

Nachdem die EZB erst relativ spät auf den Zug der „quantitativen Lockerungspolitik“ aufgesprungen ist, hat sie versucht, die verlorene Zeit durch besondere Entschlossenheit wieder hereinzuholen. Bislang ist es ihr aber auch nicht gelungen, Wachstum und Inflationsrate wieder in Schwung zu bringen. Es besteht durchaus die Gefahr, dass sie in nicht allzu ferner Zukunft als ähnlich hilflos wahrgenommen wird wie die Bank von Japan (BoJ). Beide Notenbanken drücken sich bisher vor der nachhaltigen Sanierung ihrer Banken. Wie in Japan hält auch die EZB „Zombiebanken“ (vor allem in Südeuropa) mit geschenktem Geld oder Notfallkrediten am Leben, anstatt sie abzuwickeln. So ist auch das Angebot an die Banken, sich für die Aufnahme von Zentralbankgeld „bezahlen“ zu lassen, nur auf den ersten Blick attraktiv.

Die meisten Banken sind in ihrem Kreditgeschäft eben nicht aufgrund mangelnder Liquidität (sprich Zentralbankgeld) eingeschränkt, sondern durch zu geringe Eigenkapitalquoten. Um hier Abhilfe zu schaffen, müsste die EZB den Banken Eigenkapital zur Verfügung stellen, indem sie sich an Erhöhungen des Aktienkapitals der jeweiligen Institute beteiligt bzw. eigenkapitalähnliche Instrumente von diesen erwirbt.