Fondsboutiquen: Millionen aus Bad Homburg

Wie die begehrtesten Fonds-Selekteure arbeiten.

Wie die begehrtesten Fonds-Selekteure arbeiten.

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Ein Investorentag in der Schweiz. Marc Momberg, Portfoliomanager bei Apo Asset Management, ist auf der Suche nach interessanten Kandidaten für seine Dachfonds. Er kommt ins Gespräch mit John Calamos. Der Gründer der Fondsboutique Calamos Asset Management gehört zu den 150 reichsten Amerikanern und war früher Pilot im Vietnam-Krieg. Gleich gibt es Anknüpfungspunkte: Momberg ist Reserveoffizier der Panzertruppe der Bundeswehr.

Calamos erzählt von seinem War- Room im Büro in Naperville, Illinois.   In dieser „taktischen Kommandozentrale“ analysieren er und sein Team Unternehmen. Um sie herum diverse Bildschirme mit den wesentlichen Daten der Firmen. Die Außenwelt: abgeschnitten. Die Herangehensweise: strukturiert. Die Entscheidungen: systematisch und klar. Das gefällt. Momberg: „Diese auf der militärischen Ausbildung basierende Herangehensweise ist auch an den oft hektischen Finanzmärkten von Nutzen.“

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Sein eigenes Ding machen, einen eigenen Stil haben und ihn konsequent verfolgen – das ist es, was Portfolio- und Dachfondsmanager sowie die Bestücker von Fondspolicen schätzen und suchen. „Fündig werden wir dabei häufiger bei Fondsboutiquen als bei großen Asset Managern“, sagt Hermann-Josef Hall, Vorstand bei Sauren Fonds-Research.

Der Suchprozess läuft bei den Fonds- Scouts weitgehend gleich ab – und unterscheidet nicht im Geringsten zwischen großem und kleinem Asset Manager. Erster Filter ist die quantitative Analyse. Das wichtigste Kriterium: Der Track- Record des Fondsmanagers – nicht des Fonds -, also seine Erfolgsbilanz auch bei früheren Arbeitgebern. „Natürlich in Abhängigkeit vom Marktumfeld“, so Hall. „Ein Value-Ansatz funktioniert in einem Growth-Umfeld nun mal nicht so gut.“

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Die Erfolgsbilanz muss für einen ersten Aha-Effekt sorgen, um im Rennen zu bleiben. Dabei schauen die Portfoliomanager auch darauf, wie wiederholbar diese Ergebnisse sind. Heißt: Liegt eine sehr gute Wertentwicklung nur an einer richtigen Wette zur richtigen Zeit, oder ist der Investmentansatz dauerhaft überlegen? „Der Investmentansatz ist ein wichtiger Faktor, gerade für Versicherungen, da die Fonds mitunter Jahrzehnte in den Kundendepots liegen“, sagt Michael Wolfrum, Produktmanager bei Moneymaxx, der Fondspolicen-Marke für unabhängige Vertriebspartner des Deutschen Ring.

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Was Fondsboutiquen bei der Performance in die Hände spielt und zu ihren größten Vorteilen gehört, ist ihre Unabhängigkeit. Bei großen Fondsgesellschaften gibt es Volkswirte, Investmentkomitees, eine Hausmeinung zu Märkten und Anlageklassen, nach denen sich Fondsmanager richten müssen. Das braucht eine Boutique nicht zu interessieren. „Die Fondsmanager von Boutiquen sind frei, sowohl in der Struktur als auch in der Denkweise, und müssen sich keiner Haus- oder Marktmeinung unterordnen“, so Wolfrum.

Die schlanken Strukturen haben einen weiteren Vorteil: kürzere Wege. Bei den großen Fondshäusern müssen Entscheidungen oft mehrere Gremien durchlaufen. „Der Boutiquenmanager kann das mit einem Knopfdruck oder mit einem Anruf selbst entscheiden. Und ist dadurch oft schneller am Markt“, sagt Daniel Knörr, Portfoliomanager bei Ampega- Gerling. Das ist gut für die Rendite.