Geldpolitik Trotz steigender Inflation: EZB lässt Bondkäufe und Zinsen unverändert

Mario Draghi (Mitte) auf dem Weg zur Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB). | © European Central Bank

Mario Draghi (Mitte) auf dem Weg zur Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB). Foto: European Central Bank

Der EZB-Rat bekräftigte bei seiner Sitzung am Donnerstag seine Entscheidung, dass die Aktivakäufe von derzeit 80 Milliarden Euro pro Monat ab April auf monatlich 60 Milliarden Euro reduziert werden. Die Notenbanker beließen zudem den Hauptrefinanzierungssatz bei 0,0 Prozent und den Einlagensatz bei -0,4 Prozent, wie von allen Ökonomen in einer Bloomberg-Umfrage prognostiziert.

Die EZB sagte auch, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden.

Genau zwei Jahre nachdem die EZB mit den Käufen von Euroraum-Staatsanleihen begonnen hat, liegt die Inflation wieder über ihrem Zielwert, und die Forderungen nach einer Reduzierung der Stimuli nehmen zu. Um den Druck zu entschärfen, hat Draghi darauf verwiesen, dass der Preisanstieg größtenteils von den anziehenden Energiepreisen getrieben ist. Zudem haben politische Risiken, wie beispielsweise nationale Wahlen, das Potenzial, die Konjunkturerholung vom Kurs abzubringen.

Bondkäufe bis mindestens Ende 2017

Die Entscheidung des Rates entspricht der Linie vom Dezember, als die EZB ankündigte, dass die Bondkäufe bis mindestens Ende 2017 erfolgen sollen. Damit erreicht die Gesamtsumme der während des Programms erworbenen Vermögenswerte 2,28 Billionen Euro, was etwa einem Viertel des Volumens der gesamten Euroraum-Wirtschaft entspricht.

Draghi werde heute auch neue Inflationsprognosen vorstellen, die die Entscheidung zur Beibehaltung der Stimuli stützen dürften. Während die Prognose für dieses Jahr von derzeit 1,3 Prozent auf etwa 1,7 Prozent angehoben wird, wird die Teuerungsrate dann die folgenden zwei Jahre etwa auf diesem Niveau bleiben -- und unter dem EZB-Ziel, sagten Euroraum-Vertreter, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

Zeitplan für das Ende der Stimuli

Der Ausblick für nächstes Jahr wird auf etwa 1,6 Prozent erhöht werden, von derzeit 1,5 Prozent und die Prognose für 2019 wird unverändert bei 1,7 Prozent belassen, sagten die informierten Personen, die um Anonymität baten, da die Erstellung der Prognosen vertraulich ist. Die Prognosen sind bis zur Veröffentlichung nicht endgültig, und ein Sprecher der Notenbank wollte sich zu dieser Angelegenheit nicht äußern.

Ökonomen beginnen bereits einen Zeitplan für das Ende der Stimuli zu entwickeln. Sie erwarten, dass die Notenbanker bis mindestens Juni warten werden, bevor sie die Einschätzung der Risiken für die Euroraum-Erholung aktualisieren, sagten die meisten Befragten in einer Bloomberg-Umfrage. Es wird bis mindestens Ende nächsten Jahres dauern, möglicherweise bis 2019 hinein, bis die EZB beginnt, die Stimuli ernsthaft zurückzudrehen und die Zinsen anzuheben.