Geldpolitik: Wasserhahn zu

Die Neue und der Alte: Janet Yellen löst Ben Bernanke als Chef der US-Notenbank ab. (Foto: Getty Images)

Die Neue und der Alte: Janet Yellen löst Ben Bernanke als Chef der US-Notenbank ab. (Foto: Getty Images)

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„Er wollte das Büro nicht verlassen, während der Wasserhahn voll aufgedreht ist“ – abgesehen von dem hübschen Bild,  das da im Kopf entsteht, trifft es Trevor Greethams Bemerkung auf den Punkt.

Der Asset-Allocation-Chef von Fidelity wundert sich deshalb nicht darüber, dass der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, kurz vor seinem Abschied das tat, worauf die Finanzwelt seit nunmehr über einem Jahr wartet: Er drehte den Geldhahn zu.

Die Finanzwelt nennt das „Tapering“ (etwa: „Ausdünnen“). Wobei man mal die Kirche in New York lassen sollte. Bernankes Maßnahme ist nur ein sehr kleiner Schritt. Die Notenbank kauft seit Januar 2014 monatlich für 40 Milliarden Dollar Staatsanleihen und für 35 Milliarden Dollar Mortgage Backed Securities (MBS) – eine amerikanische Art Pfandbrief.

Fed geht nur ein wenig vom Gas

Das sind 5 Milliarden Dollar von jeder Sorte weniger als zuvor. Aber die Fed pumpt somit immer noch 75 Milliarden Dollar pro Monat in den Markt. Und der Leitzins bleibt nahe null. Das ist ungefähr so, als würde ein Raser nicht mehr mit 250, sondern mit 235 Kilometern in der Stunde über die Autobahn brettern. Langsam geht anders. Und gefahrlos auch.

Zudem bleibt das Geld noch eine Weile im Markt. Ein Drittel der gekauften US-Staatsanleihen läuft noch ein bis fünf Jahre. Die anderen laufen länger. Die MBS für knapp 1,5 Billionen Dollar werden nach zehn Jahren oder später fällig.

Der Markt freut sich. Er hält es für ein gutes Zeichen. „Die US-Wirtschaft entkommt aus der Schuldenfalle, das Fed-Tapering ist ein weiteres Zeichen der Erholung“, meint Greetham. Folglich stiegen die Aktienkurse kräftig nach der Fed-Nachricht. Das war so nicht zu erwarten.

Offenbar sehen Marktteilnehmer zunächst das Positive. Und nun? „Sollte die Fed nun bei jeder Sitzung um weitere 10 Milliarden Dollar drosseln, wären die Käufe im Oktober zu Ende“, rechnet Keith Wade, Chefvolkswirt von Schroders, vor.



Allerdings habe Bernanke daran erinnert, dass das letztendlich immer von den Wirtschaftsdaten abhänge. „Er machte den Eindruck, dass die Fed noch immer an der Stärke der Erholung zweifelt und von der niedrigen Inflation beunruhigt ist.“