Vergleich: Berufstätige vs. Rentner Mehrheit der Deutschen steht finanziell gut da

Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank

Die gute Nachricht: Der Mehrheit der Deutschen geht es finanziell so gut wie schon lange nicht mehr. Knapp 88 Prozent können die eigenen und die Bedürfnisse ihrer Familie mit ihrem derzeitigen Einkommen finanzieren. Aber: Jeder Zehnte gibt an, dass sein Einkommen nicht ausreicht, so eine aktuelle TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank.

Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, erläutert die Hintergründe: „Die Arbeitslosenquote befindet sich mit aktuell rund 6 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Gleichzeitig steigen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte seit ein paar Jahren recht kräftig an. Dies hat in Verbindung mit einer außergewöhnlich niedrigen Inflation zu einer starken Zunahme der Realeinkommen geführt, sodass sich die Privathaushalte mehr leisten können.“

Auf ein Zubrot aus einem Nebenjob sind deshalb die wenigsten angewiesen: Zwar gehen 28 Prozent aller Bundesbürger einer Nebenbeschäftigung nach, aber nur 6 Prozent jobben, weil sie auf das zusätzliche Einkommen angewiesen sind. Die Mehrheit (18 Prozent) arbeitet zum Spaß oder übt ein Ehrenamt aus. Nur knapp 5 Prozent erfüllen sich mit dem Zubrot Extrawünsche.

Vergleich: Berufstätige vs. Rentner

Wirft man einen Blick auf die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, fällt auf, dass Menschen im Ruhestand mit ihrem Einkommen eher auskommen als Berufstätige. 90 Prozent der Rentner, aber nur 85 Prozent der Berufstätigen können ihre Bedürfnisse mit ihren derzeitigen Einnahmen finanzieren.

Grafik: Postbank © Fabrice Michaudeau

54 Prozent der Rentner reicht sogar das alleinige Einkommen aus, von den Berufstätigen können hingegen lediglich 40 Prozent von einem Verdienst leben. Laut Statistischem Bundesamt betrug das Haushaltsnettoeinkommen deutscher Rentner im Jahr 2015 pro Kopf 1.655 Euro; das der Arbeitnehmer lag mit 1.722 Euro pro Kopf nur geringfügig höher.

Deckung des Lebensunterhaltes

„Rentner benötigen in der Regel weniger laufende Mittel zur Deckung ihres Lebensunterhaltes als junge Familien, da viele Güter bereits angeschafft und Immobilien abbezahlt wurden“, erklärt Bargel. „So gaben Arbeitnehmerhaushalte 2015 im Durchschnitt mit gut 400 Euro fast viermal so viel für die Verzinsung und Tilgung von Krediten aus wie Rentnerhaushalte.“

Die zukünftigen Rentnergenerationen können eine solch solide Einkommenssituation wegen der Einschnitte bei der gesetzlichen Rentenversicherung kaum erwarten. „Die heutigen Arbeitnehmer betreiben zu wenig private Altersvorsorge, um die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente später vollständig ausgleichen zu können“, so Bargel.