Hüfner: „Dann würden deutsche Anleger Aktien im Wert von 470 Milliarden Euro kaufen“

Martin Hüfner von der Fondsgesellschaft Assénagon

Martin Hüfner von der Fondsgesellschaft Assénagon

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Am Aktienmarkt stimmt etwas nicht. Die Kurse sind in Deutschland seit Jahresbeginn, gemessen am Dax, um 24 Prozent gestiegen. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum (von dem die Gewinne der Unternehmen abhängen) ist dagegen von 3 Prozent (2011) auf unter 1 Prozent zurückgegangen. In anderen Ländern wäre das Verhältnis ähnlich, wenn auch nicht ganz so krass.

Gesunder Menschenverstand gefragt

Das passt nicht zusammen. Wenn die Wertschöpfung in der Wirtschaft nicht mehr so dynamisch ist, erhöhen sich normalerweise auch die Gewinne nicht mehr so sehr. Das müsste sich nach Adam Riese auch auf die Preise der Anteilscheine an der Wirtschaft auswirken.

Natürlich kann man auf die überbordende Liquidität verweisen, die den Zusammenhang verzerrt und den Dividendentiteln zugutekommt. Auch die Beruhigung der Eurokrise seit Juli dieses Jahres hat dem Markt geholfen. So ganz überzeugend ist das alles aber nicht. Könnte es sein, dass wir hier noch etwas vergessen haben?

Ich glaube das in der Tat. Was in dem Modell nämlich nicht berücksichtigt wird, ist, dass es unabhängig von allen Fundamentalfaktoren bei den Anlegern eine aufgestaute Nachfrage nach Aktien gibt.

Der Aktienbesitz in Deutschland (der im Vergleich zu anderen Industrieländern ohnehin relativ niedrig ist) hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Sein Anteil am Geldvermögen der privaten Haushalte beispielsweise, ist seit dem Jahr 2000 von 14,5 Prozent bis auf den Tiefpunkt von 4 Prozent zurückgegangen.

Erst in den vergangenen drei Jahren hat er sich wieder etwas erholt (siehe Grafik). Die Zahl der Aktionäre, die das Deutsche Aktieninstitut regelmäßig erhebt, zeigt ein ähnliches Bild.

Bei anderen Anlegergruppen ist das nicht viel anders. Manche Versicherungen besitzen derzeit überhaupt keine Dividendenpapiere mehr. Das ist als Reaktion auf die Turbulenzen an den Aktienmärkten und die regulatorischen Änderungen verständlich. Es macht im Hinblick auf die gesamtwirtschaftlichen Bedingungen aber keinen Sinn mehr.

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