Hüfner-Kommentar Aktien-Anlage fördern? „Es würde reichen, wenn der Staat sie nicht permanent verteufelt!“

Aktien in Prozent des Geldvermögens der privaten deutschen Haushalte | © © Bundesbank/Assenagon

Aktien in Prozent des Geldvermögens der privaten deutschen Haushalte Foto: © Bundesbank/Assenagon

Seit Jahren wird geklagt, dass die Sparer in Deutschland zu viel Geld auf dem Konto halten und zu wenig in Aktien anlegen. Jetzt sind die Zinsen so niedrig, dass Aktien tatsächlich die einzig sinnvolle Option für den Anleger sind. Werden die Menschen nun endlich vernünftiger und kaufen Aktien?

Aktien bleiben zurück?

Aktien in Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte

Quelle: Bundesbank

Auf den ersten Blick sieht es so aus. Die Grafik zeigt, dass der Anteil der Aktien am Geldvermögen in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Am Ende der Finanzkrise, als die Aktienkurse tief am Boden waren, lag er in Deutschland bei 3,7 Prozent. Heute ist er fast doppelt so hoch, nämlich 6,5 Prozent. Die Zahl der Aktionäre hat sich nach den Statistiken des Deutschen Aktieninstituts in dieser Zeit von 3,5 auf 4,4 Millionen erhöht. Es handelt sich hierbei nur um Direktanlagen, also ohne Aktienfonds.

Freilich sollte man sich nicht zu früh freuen. Wenn man genau hinschaut, dann ist das Bild nicht mehr so gut. Historisch gesehen ist der Anteil der Aktien am Geldvermögen auch jetzt noch relativ niedrig. In früheren Spitzenjahren lag er wesentlich höher. Im Jahr 2000 beispielsweise betrug er 14,5 Prozent. 2007 waren es 8,4 Prozent.

Auch im internationalen Vergleich steht Deutschland mit dieser Quote nicht gut da. Die Franzosen etwa halten 14 Prozent ihres Geldvermögens in Aktien, die Spanier 22 Prozent, die Finnen sogar 30 Prozent. In den USA beträgt der Anteil der Aktien am Geldvermögen 38 Prozent.

Zum Jubeln besteht auch deshalb kein Anlass, weil die Entwicklung nicht durch eine größere Affinität der Sparer zu Aktien bedingt ist. Sie beruht vielmehr allein auf den Kurssteigerungen am Aktienmarkt in dieser Zeit. Rechnet man das aus den Zahlen heraus, dann ergibt sich, dass der Anteil der Aktien am Geldvermögen der privaten Haushalte kleiner geworden ist. Die Sparer haben per Saldo nicht Aktien gekauft. Sie haben verkauft.

Ein Gutes haben die Zahlen freilich. Es gibt in Deutschland keine „Irrational Exuberance“, wie sie der frühere amerikanische Zentralbankpräsident Alan Greenspan einmal für die USA diagnostiziert hatte. Wir haben keine Lieschen-Müller-Hausse, die früher oder später einmal in sich zusammenfallen muss. Auch der Vorwurf, die Sparer würden durch die niedrigen Zinsen in unvertretbare Risiken gedrängt, lässt sich bei den Aktien nicht belegen. Die Sparer sind vernünftiger und risikobewusster als viele denken.