Jürgen Hardt Merkel-Vertrauter warnt vor neuer Finanzkrise durch Trump-Effekt

Donald Trump (r.) beim Verlassen des Präsidenten-Helikopters mit dem Rufzeichen „Marine One“. | © Getty Images

Donald Trump (r.) beim Verlassen des Präsidenten-Helikopters mit dem Rufzeichen „Marine One“. Foto: Getty Images

Jürgen Hardt, Bildquelle: Katja-Julia Fischer, CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Jürgen Hardt (CDU), der Koordinator für die transatlantischen Beziehungen der Bundesregierung, warnte vor einer neuen Finanzkrise. Sollten sich die Erwartungen an Trumps Wirtschaftspolitik nicht erfüllen, könnten große institutionelle Investoren sich von der Wall Street zurückziehen, so „dass dann möglicherweise das Messer fällt”, sagte Hardt am Donnerstag auf einer Bloomberg-Veranstaltung in Berlin. Die Trump-Regierung würde in einer solchen Situation möglicherweise als „unkoordiniert und schwach“ wahrgenommen und könnte somit nicht zur Beruhigung der Situation beitragen.

„Ich halte die Situation für deutlich volatiler, als dies unter normalen Regierungen der Fall wäre“, sagte Hardt. Die jetzige Situation sei grundlegend anders als während der Finanzkrise 2008, „als veritable Finanzminister dann doch schnell eine immediate action eingeleitet haben“. Entscheiden werde sich Trumps Präsidentschaft in dem Augenblick, wo der US-Kongress das Geld für das geplante Infrastrukturprogramm, den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko und die geplante Aufstockung des Wehretats bewilligen müsse. „Ich sehe ehrlich gesagt nicht, wo das ganze Geld für diese Programme herkommen soll“, sagte der CDU-Politiker.

Strafzölle für deutsche Exportprodukte

Hardt, der zugleich außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, war im Februar in Washington mit hochrangigen Vertretern der US-Regierung zusammengekommen. Bundeskanzlerin Merkel trifft am kommenden Dienstag erstmals mit US-Präsident Trump in Washington zusammen. Dabei wird es nach Angaben aus ihrem Umfeld auch um die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern gehen. Trump hatte mehrfach angekündigt, Strafzölle für deutsche Exportprodukte einzuführen.

„Merkel wäre gut beraten, sich darauf zu konzentrieren, einen persönlichen Draht zu Trump aufzubauen und ein Stück weit das Deutschland- und Europabild zu korrigieren, das im Weißen Haus vorherrscht“, sagte Hardt mit Blick auf den USA-Besuch der Kanzlerin. In Washington herrsche „ein Stück weit Unkenntnis“ darüber, wie die EU funktioniere. „Es geht darum, dass die Kanzlerin dem US-Präsidenten hilft, das Ganze ein bisschen besser zu verstehen“, sagte er.

Sorge vor den Folgen von Trumps Politik

Auch in der deutschen Wirtschaft wächst die Sorge vor den Folgen von Trumps protektionistischer Politik. „Wenn Donald Trump in- und ausländische Unternehmen dazu zwingen will, ihre Produktion in den Vereinigten Staaten zu belassen oder neu aufzubauen, mag das dort kurzfristig den einen oder anderen Unternehmensstandort erhalten”, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen-und Anlagenbauer (VDMA), Carl Martin Welcker, am Freitag gegenüber Bloomberg. „Mittel- und langfristig führen solche staatlichen Zwangsmaßnahmen aber dazu, dass Investoren sich abwenden – und damit zu Wohlstandsverlusten“.