Kommentar zur Altersvorsorge Wenn eine tolle Idee einfach untergeht

DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms spart das Geld für seine Kinder in Aktienfonds | © Kasper Jensen

DAS-INVESTMENT-Redakteur Andreas Harms spart das Geld für seine Kinder in Aktienfonds Foto: Kasper Jensen

Gerade mal 2.000 Leute haben die Petition bis jetzt unterschrieben. Damit wird sie wohl keine großen Wellen schlagen. Schade. Dabei ist es eine der besten Ideen überhaupt, die Kursgewinne von Aktien und Aktienfonds nach fünf Jahren Haltedauer steuerfrei zu stellen. Die Dividenden können ja weiter jährlich über Freibetrag und Abgeltungssteuer laufen, in Ordnung. Aber dass am Ende einer möglicherweise sehr langen Anlagezeit 25 Prozent Steuern auf den angesammelten Gewinn fällig werden, ist noch immer ein ziemlich starkes Stück.

Leider lässt der Kommentar des Internetnutzers „Frettchenbande“ auf der Petitionsseite ziemlich tief blicken: „Definitiv keine Mitzeichnung. Wer sich lukrative Aktien leisten kann, kann auf diese Gewinne auch Steuern zahlen.“ Darauf lässt sich nur antworten: Aktien und Fonds sind nicht nur für Reiche. Sie sind für alle.

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Liebe Frettchenbande, nur ein Beispiel: Meine beiden Kinder haben jeweils einen Sparplan über 50 Euro im Monat in einen Aktienfonds. Schön solide, kein Brimborium. Sie meinen also, dass jemand, der sich so eine Unsumme im Monat leisten kann, auch Steuern auf die Gewinne zahlen soll, ja? Schon klar.

Nun passiert folgendes: Wenn die Kinder 20 Jahre alt sind, liegen bei einer Rendite von 8,2 Prozent im Jahr am Ende 30.400 Euro im Depot. Wie viel es genau wird, ist natürlich noch nicht klar. Aber das Beispiel entspräche der Rendite des Aktienindex Dax in 30 Jahren. 12.000 Euro davon sind eingezahlt, 18.400 Euro sind Dividenden und Kursgewinne. Je nach Dividendenaufkommen (die sind ja jährlich versteuert) würden grob geschätzt auf Kursgewinne 2.500 Euro Abgeltungssteuer fällig werden. Die Kinder müssten dann über eine Steuererklärung versuchen, zumindest einen Teil davon zurückzuholen. Nein, liebe Frettchenbande, Aktienfonds sind eine gute Sparform für Jedermann mit genug Zeit und Geduld. Meine Kinder haben beides, sind aber durch das Steuerrecht ziemlich gekniffen.

Aber es geht nicht nur um Kinder, sondern auch um Altersvorsorge. Die Abgeltungssteuer Anfang 2009 auch auf langfristig – also ohne Spekulationsmotiv – erzielte Kursgewinne auszudehnen, ist eine der finstersten Entscheidungen in der Geschichte des deutschen Steuerrechts. Sie deklassiert von Vornherein das zur Altersvorsorge hervorragend geeignete Fondssparen.

Außer Norbert Blüm glaubt wahrscheinlich keiner mehr, dass man mit der gesetzlichen Rente später noch Bäume ausreißen kann. Nicht einmal unsere Regierung, die die private Vorsorge sogar ausdrücklich empfiehlt. Nur warum konterkariert sie mit dem Steuer- und Abgabenrecht ihre eigene Erkenntnis? Nur um klarzustellen: Wir reden hier noch nicht einmal von „fördern“, sondern nur von „nicht benachteiligen“.

Technisch ist es problemlos machbar, es fehlt nur der Wille. Hallo Berlin, gib dir mal einen Ruck, setz ein Signal und stelle alle langfristigen Geldanlagen steuerfrei! Das würde es allen etwas leichter machen, Vermögen zu bilden. Und du müsstest später wahrscheinlich ein gutes Stück weniger Stütze für arme Rentner zahlen. Denk mal drüber nach!