PKV: Der Chef zahlt die Krankenversicherung

Zwei Arbeiter des Autozulieferers GKN Sinter Metals: 2010 hat das Unternehmen für seine Mitarbeiter eine obligatorische betriebliche Krankenversicherung eingerichtet.

Zwei Arbeiter des Autozulieferers GKN Sinter Metals: 2010 hat das Unternehmen für seine Mitarbeiter eine obligatorische betriebliche Krankenversicherung eingerichtet.

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So aufwendig hatte sich Stefan Schrahe die Einführung einer betrieblichen Krankenversicherung (bKV) in seinem Unternehmen nicht vorgestellt. „Es war ein mühsamer, steiniger Prozess, aber nach zwei Jahren sind wir froh, dass wir es gemacht haben“, berichtet er.

Als sich der Autozulieferer GKN Sinter Metals im Jahr 2009 vom System der Ausschüttung übertariflicher Prämien verabschiedete und nach einer Alternative suchte, kam Personaldirektor Schrahe auf die Idee, den Mitarbeitern eine betriebliche Krankenversicherung als neues Bonbon anzubieten. „Wir wollen die Mitarbeiter gesund erhalten und bei Krankheit dafür sorgen, dass sie gesund zurückkehren.“

Bessere Versorgung in der Klinik

GKN Sinter Metals hat für alle Mitarbeiter ein Versicherungspaket abgeschlossen, die mindestens seit einem Jahr beschäftigt sind, einen unbefristeten Anstellungsvertrag haben und bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind.

Für sie finanziert ihr Arbeitgeber seit dem 1. Oktober 2010 Zusatzversicherungen für die bessere Versorgung im Krankenhaus, höhere Erstattungen beim Zahnersatz und zusätzliche Vorsorgeleistungen. Familienmitglieder können sich auf eigene Kosten mitversichern. Schrahe und sein Team konnten die Betriebsräte überzeugen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer schlossen eine Betriebsvereinbarung.

Ebenso wenig wie die umfassende Information konnte das aber die anfängliche Skepsis der Belegschaft verhindern. Die Ablehnung hatte mehrere Gründe, sagt Schrahe. „Das Thema Versicherung ist bei vielen einfach negativ besetzt.“ Gerade die Weitergabe ihrer Daten habe viele Mitarbeiter geärgert. Sie fanden es auch nicht in Ordnung, dass der Arbeitgeber die Policen abgeschlossen hatte, ohne sie vorher zu fragen.

Und zumindest zu Anfang kam Unmut darüber hinzu, dass die bKV als geldwerter Vorteil versteuert werden musste. Seit Anfang 2012 ist das anders. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs sind die Versicherungsbeiträge steuerfrei – wenn die Gesamtsumme der vom Arbeitgeber gewährten Sachbezüge 44 Euro im Monat nicht überschreitet.

Inzwischen wird die betriebliche Krankenversicherung von vielen Mitarbeitern des Unternehmens als Vorteil erkannt. „Sie wissen heute, dass sie etwas haben, das nicht jeder hat.“ Zum Stimmungsumschwung haben vor allem die Berichte von Kollegen beigetragen, die bereits Leistungen in Anspruch genommen haben. „Es spricht sich herum, wenn die ersten Mitarbeiter positive Erfahrungen gemacht haben“, sagt der Manager.

Zurzeit sind 1.600 Mitarbeiter und 236 Familienangehörige über das Konzept abgedeckt. Nach Einschätzung von Branchenkennern hat bislang kein anderes Unternehmen in dieser Größenordnung für seine Mitarbeiter eine obligatorische betriebliche Krankenversicherung abgeschlossen. „Wir sind Vorreiter und ein bisschen stolz darauf“, sagt Schrahe.