Professoren weisen Ratingagenturen Willkür nach

Athen. So düster sieht es in Griechenland laut einer Studie gar nicht aus: Nach der Berechnung zweier Schweizer Professoren hätte sich Griechenlands Rating in dieser Zeit nur um 0,14 Stufen verschlechtern dürfen. Quelle: Getty Images

Athen. So düster sieht es in Griechenland laut einer Studie gar nicht aus: Nach der Berechnung zweier Schweizer Professoren hätte sich Griechenlands Rating in dieser Zeit nur um 0,14 Stufen verschlechtern dürfen. Quelle: Getty Images

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Die These ist nicht neu: Die Ratingagenturen urteilen willkürlich und stürzen damit ganze Staaten in die Insolvenz. Nun haben Manfred Gärtner und Björn Griesbach, Professoren von der Universität St. Gallen einen wissenschaftlichen Beweis für diese Vermutung erbracht. Die Analysehäuser bewerten europäische Krisenländer neuerdings nach ganz anderen Maßstäben als früher, so das Ergebnis ihrer empirischen Studie.

Die beiden Professoren analysierten zunächst, wie sich zwischen 1999 und 2011 die Veränderung unterschiedlicher volkswirtschaftlicher Kennzahlen wie Wirtschaftswachstum, Pro-Kopf-BIP, Haushaltsüberschuss, Verschuldungsgrad und Inflation auf das Rating eines Staates ausgewirkt hatte. Diese Berechnungen führten sie bei 16 der insgesamt 25 OECD-Staaten durch.

Nachdem sie den Beitrag ermittelten, den jede einzelne Kennzahl zum Rating beiträgt, erstellten sie eine Formel zur Ratingberechnung. Diese Formel wandten sie dann auf die PIGS-Staaten in den Jahren 2008 bis 2011 an – und kamen zu ganz anderen Ergebnissen als die Ratingagenturen.

Nach ursprünglichen Maßstäben hätte Griechenland nur 0,14 Klassen verloren

So hätte Spanien um eine halbe Klasse herabgestuft werden müssen. Tatsächlich verlor das Land aber drei Klassen. Irland hätte eineinhalb Ratingstufen verlieren müssen, wurde aber um sieben Klassen herabgestuft. Bei Portugal war der Verlust einer halbe Klasse gerechtfertigt. Es verlor tatsächlich aber acht Klassen. Selbst Griechenlands Rating hätte sich aufgrund objektiver Wirtschaftsindikatoren in dieser Zeit nur um 0,14 verschlechtern dürfen. Tatsächlich sackte es aber um zwölf Klassen ab, von A auf CCC. „Die Herabstufungen können nicht durch Verschlechterungen der Wirtschaftslage und der Staatsfinanzen begründet werden“, so die Schlussfolgerung der Forscher.

„Natürlich könnten Ratingagenturen gute Gründe für ihre Bewertungsergebnisse haben“, erklärte Gärtner gegenüber DAS INVESTMENT.com. Aus statistischer Sicht seien diese Bewertungen jedoch rein willkürlich. Schlechtes Gleichgewicht führt zu Insolvenz

Dabei haben negative Einschätzungen der Ratingagenturen laut der Studie einen noch größeren Einfluss auf die finanzwirtschaftliche Situation der Krisenstaaten als bisher angenommen. Die Professoren begründen das mit einer Gleichgewicht-Theorie, die sie in ihrer Studie ebenfalls beweisen konnten.