Folker Hellmeyer über den BLB Global Opportunities „Die Rohstoffe werden dauerhafter steigen als viele erwarten“

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank

DER FONDS: Sie haben sich einen Ruf als Kapitalmarktexperte aufgebaut. Haben Sie keine Bedenken, diesen Ruf durch den neuen Fonds zu gefährden? Schließlich sieht man jetzt die Performance schwarz auf weiß.

Folker Hellmeyer: Die Ängste habe ich überhaupt nicht. Wir haben das notwendige Handwerkszeug, um einen solchen Fonds zu managen. Wir sind praktisch von unseren Kunden gedrängt worden, den Fonds aufzulegen. Die Bremer Landesbank veröffentlicht über ihren Forex-Report eine Dax-Börsenampel, die eine sensationelle Performance gemacht hat. Daher kam der Druck von den Kunden.

Sind Sie mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden?

Der BLB Global Opportunities hat 2016 eine Performance von rund 7 Prozent erreicht. Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse und den damit verbundenen, zum Teil starken Marktbewegungen ist das meines Erachtens nicht schlecht.

Im Herbst ist der Fondswert kurzfristig gesunken. Woran lag‘s?

Bei der US-Wahl haben wir das Aktienrisiko zwar völlig richtig eingeschätzt. Wir haben die Aktienquote auf neutral gesetzt, um dann unten wieder einzukaufen. Die Bewegung des US-Dollars und des Goldpreises haben wir allerdings falsch eingeschätzt.

Der BLB Global Opportunities ist ein globaler Multi-Asset-Fonds mit großen Freiheiten. Wie sieht Ihre Strategie konkret aus?

Wir haben ein klares Credo für Aktien. Der neutrale Aktienanteil am Gesamtportfolio liegt bei 75 Prozent. Wir kaufen vor allem Einzeltitel und verfolgen dabei eine Art Warren-Buffett-Ansatz. Wir achten sehr auf Qualität und investieren aus Überzeugung. Das Aktienportfolio hedgen wir dann gegen den Dax. Eine Konzentration nur auf Aktien würde uns allerdings viele Chancen nehmen. Daher nutzen wir auch Gelegenheiten in anderen Marktsegmenten, zum Beispiel bei Rohstoffen. Wir haben das Thema Öl in unserem Fonds gespielt. Ebenfalls sind wir im Devisenbereich aktiv.

Und was ist mit Anleihen?

Der Anleihe-Anteil ist sehr überschaubar, zurzeit liegt er bei rund 5 Prozent. Überzeugt sind wir vor allem von unseren Emerging-Markets-Anleihen. In Europa setzen wir über die Zinskurve auf steigende Zinsen.

Was ist Ihre Aufgabe beim Fonds?

Ich liefere die Makro-Story und stimme mit dem Managementteam um Thorsten Müller die Asset Allocation ab. Ich habe hier ein Votum von 50 Prozent. Die Leute im Team haben sehr unterschiedliche Lebensläufe. So können wir uns sehr konträr mit den Themen beschäftigen. Wir sind keine Zocker. Für uns ist eine Anlage dann interessant, wenn wir nach unseren Berechnungen eine Chance von 70 Prozent haben. Vor dem Brexit-Votum oder den US-Wahlen haben wir die Aktienquote beispielsweise auf neutral gestellt. Wir wollen das Geld unserer Investoren nicht mit einer Fifty-Fifty-Chance vermehren, sondern mit Überzeugung. Das hat sich in diesen Jahr als sehr erfolgreich erwiesen.

Wie ist der Fonds zurzeit ausgerichtet?

Wir denken, dass die Emerging Markets 2017 maßgeblich das Weltwirtschaftswachstum tragen. Der Internationale Währungsfonds erwartet für die Schwellenländer 4,6 Prozent Wachstum. Ich rechne mit 4,8 bis 5 Prozent. In meinen Augen werden die mit dem Projekt Neue Seidenstraße verbundenen Infrastruktur-Investitionen unterschätzt. Diese werden auch die Rohstoffpreise steigen lassen. Und zwar dauerhafter als erwartet wird. Die rohstoffproduzierenden Emerging Markets werden daher eine deutlich bessere Performance hinlegen als jetzt noch unterstellt. Damit bleibt unser Fokus auf Emerging Markets mit einem Portfolioanteil von 20 bis 30 Prozent bestehen.

Und wie sieht es in den Industriestaaten aus?

Für die Eurozone sind wir sehr zuversichtlich. Wir denken, sie wird wie 2016 wieder positiv überraschen. Daher haben wir auch einen Fokus auf europäische Werte, die ebenfalls von der Erholung in den Emerging Markets profitieren werden. Der konsumgetriebene Aufschwung in der Eurozone dürfte sich 2017 fortsetzen. Wenn das Kreditvolumen noch etwas stärker zulegt als 2016, dürfte die Eurozone um 1,7 bis vielleicht sogar 2 Prozent wachsen. Japan hingegen entwickelt sich weiter unterproportional. Auch in Großbritannien erwarten wir mit dem Brexit ein unterproportionales Wachstum.

Und die USA? Hier erwarten viele ein starkes Wachstum 2017.

Ich bin da skeptisch. Die strukturellen Defizite in den USA sind sehr ausgeprägt, die verschwinden auch nicht einfach durch einen neuen Präsidenten. Alles, was Donald Trump plant, wird das Defizit weiter erhöhen. Das Wachstum hat also eine dramatisch schlechte Qualität. 2017 wird es nach unseren Prognosen unter 2 Prozent bleiben.

Bedeutet das, Sie haben keine US-Aktien im Portfolio?

Wenn Sie einige Segmente spielen wollen, wie Hardware, Software, Internet oder Biotech, kommen Sie an den USA nicht vorbei. Im Gesamtportfolio spielen die USA aber derzeit keine wesentliche Rolle. Wir fokussieren uns auf Emerging Markets und globale Player aus Europa.

Können Sie 2017 die Performance von 2016 wiederholen?

Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen. Wir managen den Fonds aktiv, können innerhalb von Minuten Entscheidungen fällen und sind kritisch genug, um unsere Positionen stets zu hinterfragen.

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