Schuldenberg wächst Japan gibt geldpolitisch weiter Vollgas

Skyline von Shinjuku, dem Verwaltungssitz der japanischen Präfektur Tokio. Japans Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs. Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts ist allerdings in weite Ferne gerückt. | © Getty Images

Skyline von Shinjuku, dem Verwaltungssitz der japanischen Präfektur Tokio. Japans Wirtschaft ist wieder auf Wachstumskurs. Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts ist allerdings in weite Ferne gerückt. Foto: Getty Images

Das dürften genau die Nachrichten sein, die Autofahrer und Vielflieger keinesfalls hören möchten: Stahlkocher Kobe Steel musste unlängst zugeben, in großem Umfang betrogen zu haben. Der drittgrößte Metallanbieter Japans hat nach eigenem Bekunden Qualitätsangaben zu seinen Aluminium-, Kupfer- und Eisenprodukten gefälscht, die in Autos, Zügen und Flugzeugen zum Einsatz kommen. So nutzen beispielsweise die Hersteller von Japans Schnellzügen das Aluminium des bereits 1905 gegründeten Konzerns. Auch die Flugzeugbauer Airbus und Boeing verwenden Kobe-Alu in ihren Fliegern.

Und das bislang eingestandene Fehlverhalten soll nur die Spitze des Eisbergs sein. „Das jahrzehntelange Manipulieren hat sich irgendwann zu einem Leitfaden für Betrügereien institutionalisiert“, stellt etwa das Wirtschaftsmagazin „Nikkei“ fest.

Zwar sind noch keine Unfälle bekannt, die Kobe-Produkte mit gefälschten Zertifikaten verursacht haben. Der Aktienkurs stürzte im Oktober dennoch steil nach unten, in sechs Tagen um mehr als 40 Prozent. Analysten befürchten eine Kostenflut durch anstehende Rückrufe und Gerichtsprozesse. Warnende Beispiele sind der Elektronikkonzern Toshiba, der seine Bücher gefälscht hat, sowie der Autozulieferer Takata. Letzterer musste mehr als 100 Millionen Airbags zurückrufen, was das Unternehmen in die Pleite trieb.

Wirtschaft wächst wieder

Die Nachrichten kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Endlich brummt Japans Wirtschaft wieder ein wenig. Obwohl das Bruttoinlandsprodukt weltweit auf dem vierten Platz rangiert, mangelte es lange an Zuwachs. Seit 2015 wächst Nippons Produktion um gut ein Prozent jährlich, was angesichts der ewigen Wirtschaftskrise inklusive konjunkturlähmender Deflation ein Lichtblick ist.

An den Börsen haben die Fortschritte ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Der Aktienindex Nikkei 225 verteuerte sich angetrieben von guten Exportergebnissen in den zurückliegenden zwölf Monaten um rund ein Viertel. Einen kräftigen Schub haben die Kurse von internationalen Anlegern erhalten, die ihr Kapital aus den Vereinigten Staaten in Richtung Europa und eben Japan umschichten. Die USA drohen, konjunkturell abzukühlen. Die unerfahrene Regierung um US-Präsident Donald Trump lässt ihrem Versprechen, die US-Wirtschaft massiv zu stärken, bislang nur wenige Taten folgen.