Schwellenländer-Aktien Warum Anleger auch auf „Asien ohne China“ achten sollten

Mathieu Nègre, zuständig für Aktien aus den Schwellenländern bei Union Bancaire Privée

Mathieu Nègre, zuständig für Aktien aus den Schwellenländern bei Union Bancaire Privée

Die Deregulierung führt dazu, dass Investoren ihre Positionen in chinesischen Aktien, die an den Börsen Schanghai und Shenzhen gehandelt werden, nun schrittweise aufstocken. Indexanbieter haben die neue Situation erkannt und damit begonnen, den gesamten chinesischen Markt abzubilden. Laut MSCI dürfte Chinas Gewicht im Index für Schwellenländeraktien auf 40 Prozent, im Asienindex gar auf 55 Prozent steigen, falls jeder Binnenmarkt in seinem vollen Ausmaß berücksichtigt würde. Damit schrumpft die Streuwirkung der Indizes, Anleger könnten die globale Tragweite des MSCI Emerging Markets infrage stellen. Die größere Konzentration würde das Risiko für Anleger steigern. Das Länderrisiko ist einer der wichtigsten Faktoren in einem globalen Schwellenmarktportfolio. Sollte eines der Länder – ungeachtet seiner wirtschaftlichen oder politischen Bedeutung – eine überwiegende Position einnehmen, nimmt die Diversifikation automatisch ab.

Dieses Phänomen ist für Anleger, die in Schwellenländer investieren, nicht neu. Bei der Gründung des MSCI Emerging Markets Index im Jahr 1988 nahm Malaysia mit 30 Prozent die höchste Gewichtung ein. 1991 erreichte Mexikos Gewicht 29 Prozent, während Südkoreas Position bis ins Jahr 2002 bis auf 22 Prozent stieg. Der Grund dafür war der im Lauf der Jahre erfolgte Ein- und Ausstieg zahlreicher Länder. Diese Schwankungen spiegeln auch die starken Ausschläge in den Wirtschaftszyklen bestimmter Länder wider. Anleger, die sich für ihre geografische Ausrichtung an diesem Index orientieren, wird es an der erforderlichen geografischen Diversifikation fehlen, wenn der Wirtschaftszyklus eines Landes ins Negative dreht. Die oben angeführten Länder liefern ein gutes Beispiel dafür. Zwischen 1988 und 1992 entwickelte sich der malaysische Index deutlich schlechter als andere. Gegen Ende 1994 hatte die Tequila-Krise schwere Folgen für Mexiko. Südkorea litt seinerseits unter einer hausgemachten Finanzkrise. Der dortige Index brach 40 Prozent von seinem Höchststand ein und läutete eine lange Durststrecke ein.

Quelle: Bloomberg

Der Fall China ist komplexer. Es ergibt keinen Sinn, eine Krise für das Reich der Mitte voraussagen zu wollen, wie es viele Marktteilnehmer seit mehreren Jahren schon erfolglos versuchen. Vielmehr ist Chinas Wirtschaftskraft in gebührender Weise zu berücksichtigen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird unweigerlich eine nennenswerte Position in einem globalen Portfolio einnehmen. Doch ist es wahrscheinlich, dass China (wie schon Japan) zu groß werden wird, um ein zu seiner Bedeutung proportionales Gewicht in einem regionalen oder Schwellenmarktportfolio einzunehmen. Wenn Anleger von asiatischen Aktienmärkten sprechen, beziehen sie sich meist auf Asien ohne Japan und gehen ein zusätzliches Investment in Japan ein. Es wäre naheliegend, den gleichen Ansatz auf China anzuwenden. Asset Manager müssten dabei zwei Entscheidungen treffen: Erstens, wie sie die Allokation der Schwellenländer als Ganzes und zweitens, wie sie die Allokation Chinas im Besonderen handhaben können. Es ist wichtig, solche strategischen Entscheidungen nicht den Indexanbietern zu überlassen.