Umfragen bestätigen Jeder dritte Fondsmanager fürchtet Handelskrieg

Macht mit seinen Plänen für Strafzölle den Börsianern richtig Angst: US-Präsident Donald Trump | © Getty Images

Macht mit seinen Plänen für Strafzölle den Börsianern richtig Angst: US-Präsident Donald Trump Foto: Getty Images

Der mächtigste Mann der Welt bereitet Großanlegern zunehmend Kopfschmerzen. Nein, die Rede ist nicht von Wladimir Putin und auch nicht von Jeff Bezos. Gemeint ist US-Präsident Donald Trump und sein vom Zaun gebrochener Streit mit den anderen großen Wirtschaftsmächten.

Dass er ernsthaft Strafzölle auf Produkte aus Europa und China erheben und damit einen Handelskrieg auslösen könnte, hinterlässt Spuren im Nervenkostüm internationaler Anleger. So bezeichnen inzwischen 30 Prozent der globalen Fondsmanager einen Handelskrieg als größtes Risiko. Vor einem Monat war es noch gar kein Thema. Das geht aus der aktuellen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch (BoAML) unter fast 200 Fondsmanagern hervor. Auf dem zweiten Platz der größten Sorgen steht übrigens die Inflation (23 Prozent), auch die kam im Vormonat noch nicht vor.

„Größte Kapitulation seit dem Brexit-Votum“

Entsprechend heftig schrauben die Befragten auch ihre Konjunkturprognose herunter. Im Februar lag der Überhang der Fondsmanager, die an stärkeres Wirtschaftswachstum in Europa in den kommenden zwölf Monaten glauben, noch bei 38 Prozent. Es gab also 38 Prozent mehr Optimisten als Pessimisten. Im März liegt dieser Überhang nur noch bei 9 Prozent. „Das ist die größte Kapitulation seit dem Brexit-Votum“, heißt es dazu in der Studie. Als zweitgrößten Verlierer bei einem Handelskrieg machen die Befragten nach den Schwellenländern übrigens Deutschland aus.

Eine weitere Umfrage, die das große Grummeln bestätigt, ist der ZEW-Index. Hier brach der Indikator für die künftige Wirtschaft um mehr als die Hälfte von 29,3 auf 13,4 Punkte ein. Der Wert ergibt sich wie folgt: 24,0 Prozent der rund 400 befragten Analysten und institutionellen Anleger glauben daran, dass sich die Wirtschaft in der Eurozone in den kommenden sechs Monaten verbessert. 10,6 Prozent erwarten das Gegenteil, der Saldo von 13,4 Prozentpunkten ergibt den Index.

Für die deutsche Wirtschaft brach dieser Index ebenfalls ein, von 17,8 auf 5,1 Punkte. „Die Sorge vor einem durch die USA ausgelösten globalen Handelskonflikt lässt die Experten vorsichtiger in die Zukunft blicken. Auch der starke Euro belastet die Konjunkturaussichten für die Exportnation Deutschland“, kommentiert ZEW-Präsident Achim Wambach, will aber sogleich ein bisschen beruhigen. Denn er weist auch auf den Index für die aktuelle Lage hin. Und der liegt für Deutschland bei 90,7 Punkten, nur 1,6 Punkte unter dem Vormonatsstand. Und für die Eurozone sind es aktuell 56,2 Punkte, 1,5 weniger als im Februar.

Eine bestimmte Aktiengruppe ist zu teuer geworden

So sehr die Sorgen auch um sich greifen, sonderlich reagiert haben die Börsianer noch nicht. So ist noch immer ein Überhang von 41 Prozent der von BoAML befragten Fondsmanager in Aktien übergewichtet. Im Februar waren es 43 Prozent. Panik sieht anders aus.

Und besonders interessant ist – abseits von der Wirtschaft – die Antwort auf die Frage nach den am stärksten strapazierten Anlage-Ideen. „Crowded Trade“ – „Überfüllter Handel“ – heißt das an der Börse. Hier nennen 38 Prozent der Befragten die sogenannten FAANG- und BAT-Aktien. Es sind die Abkürzungen für Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google (FAANG) und die asiatischen Gegenstücke Baidu, Alibaba und Tencent. Im Februar hielten noch etwa 23 Prozent der Fondsmanager diese Techno-Riege für zu teuer. Die Luft wird hier also reichlich dünn.