Volkswirt-Serie: „Das ist mir zu martialisch“

Christine Bortenlänger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Deutschen Aktieninstitut

Christine Bortenlänger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim Deutschen Aktieninstitut

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DAS INVESTMENT.com: Bitte liefern Sie uns drei stichhaltige Argumente, derzeit Aktien zu kaufen.

Christine Bortenlänger: Erstens: Aktien sind langfristig immer noch die rentabelste Anlageform. Zweitens: Aktien sind Substanzwerte und bieten damit einen guten Inflationsschutz. Drittens: Aktien sind eine preiswerte und transparente Anlageform.

DAS INVESTMENT.com: Welchen Märkten oder Sektoren trauen Sie die beste Entwicklung zu und warum?

Bortenlänger: Welche Märkte sich am besten entwickelt haben, kann man immer erst im Nachhinein feststellen. Ich scheu mich daher, bestimmte Märkte oder Branchen zu empfehlen. Langfristig ist dem Anleger mit einer breiten Streuung am besten gedient. Und mit wenig Hin und Her, denn das macht bekanntlich Taschen leer. Will heißen, kostet eine Menge Gebühren und frisst Rendite.

DAS INVESTMENT.com: Wie werden sich Wirtschafts- und vor allem Geldpolitik in Europa und USA auf die Aktienmärkte auswirken?

Bortenlänger: Die Unternehmensbewertung, die sich in den Aktienkursen widerspiegelt, hängt natürlich stark von dem Erfolg der aktuellen Stabilisierungsbemühungen ab. Je früher wir Klarheit über den weiteren politischen Kurs haben, desto eher werden sich die Kurse an der Börse auch stabilisieren. Bis dahin bedeutet politische Unsicherheit immer auch Unsicherheit an den Märkten.

DAS INVESTMENT.com: Wie ist der perfekte EZB-Chef?

Bortenlänger: Standfest und stabilitätsorientiert. Auch in der Außenwirkung. Er steht für Vertrauen in Europa.

DAS INVESTMENT.com: Wie lässt sich der starke Abverkauf von Aktienfonds gegenüber dem Run auf Rentenfonds einordnen?

Bortenlänger: Ich kann diese Entwicklung nicht erklären. Gerade in der aktuellen Lage spricht vieles für ein verstärktes Engagement in Aktien: Sachwertcharakter, Dividendenstärke, niedriges Zinsniveau.

DAS INVESTMENT.com: Welche Rolle spielen die Emerging Markets und deren Einfluss auf die Weltwirtschaft an den Aktienmärkten?

Bortenlänger: Die Bedeutung der Emerging Markets für die Aktienmärkte wird weiter steigen. Früher waren die Emerging Markets auf der Nachfrageseite zu suchen, und zwar mit einem gemessen an den globalen Märkten kleinen Anteil. Demnächst werden sie nicht nur auf der Nachfrageseite an Gewicht gewinnen, sondern auch als Anbieter von Kapital, also Käufer zum Beispiel deutscher Aktien, auftreten. Das ist vielleicht zunächst ungewohnt – aber das Leben - auch an den Märkten - besteht aus permanenten Veränderungen.

DAS INVESTMENT.com: Wie lautet das dümmste Sprichwort in Bezug auf die Wirtschaft?

Bortenlänger: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Er drückt zwar auch die Erfahrung aus, dass Aktien gerade in kritischen Zeiten oft günstig bewertet sind und dann gekauft werden sollten, wenn die Stimmung ganz schlecht ist. Die Metapher ist mir aber zu martialisch.