Vom Protektionismus zum Handelskrieg Die US-Handelsspannungen und ihre Folgen für Anleger

Dunkle Wolken über Handelsschiffen: Beginnt ein Hauen und Stechen zwischen den Volkswirtschaften, werden Wohlstand und Stabilität weltweit abnehmen.  | © Getty Images

Dunkle Wolken über Handelsschiffen: Beginnt ein Hauen und Stechen zwischen den Volkswirtschaften, werden Wohlstand und Stabilität weltweit abnehmen. Foto: Getty Images

Es wird immer öfter von einem „Handelskrieg“ zwischen den USA und mehreren ihrer wichtigsten Handelspartner gesprochen. China trägt die Hauptlast der US-Zölle, die sich auf eine Vielzahl von Waren beziehen. Das Land hat seinerseits Vergeltungsmaßnahmen angedroht. So ist zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt eine Situation des „Wie du mir, so ich dir“ entstanden.

Protektionistische Tendenzen nehmen zu

Die Handelsspannungen haben in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen gesorgt und scheinen sich in jüngster Zeit zuzuspitzen, doch ihre Ursachen liegen tiefer. Die Globalisierung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt und ausgeweitet – zugunsten von Verbrauchern aus dem Westen, Herstellern aus  den Schwellenmärkten und der Weltwirtschaft im Allgemeinen. Sie hat dazu beigetragen, Millionen von Menschen aus der Armut zu befreien, und die weltweite Mittelschicht erheblich gestärkt. Aber die Vorteile der Globalisierung sind nicht gleichmäßig verteilt. Fabrikarbeiter in den westlichen Industrieländern mussten zusehen, wie ihre Jobs ins Ausland abwanderten, und es fiel ihnen schwer, sich an die neue Wirtschaftslandschaft anzupassen. Verständlicherweise waren sie mit der Globalisierung unzufrieden.

Die Finanzkrise vor zehn Jahren machte die Situation nicht besser, ebenso wenig wie die Reaktion der Politik, die zwar die Vermögenspreise in die Höhe treibt, wie Anleger gehofft hatten, aber nicht die Lohninflation bewirkt hat, nach der sich die Arbeiter sehnen.

Aus diesen und anderen Gründen sind protektionistische Strömungen in den entwickelten Märkten allgemein im Aufstieg begriffen. In den USA kamen sie in der Bewegung „America First“ von Präsident Donald Trump zum Ausdruck. Unserer Erfahrung nach liegt das Problem jedoch darin, dass protektionistische Politik auf lange Sicht selten ihre Versprechen hält.

Die angekündigten Zölle Trumps – die auf eine lange Liste von Waren abzielen, darunter Stahl, Aluminium, Solarmodule und Haushaltsgeräte – sind Teil einer protektionistischen Haltung, zu der auch der Austritt Amerikas aus der Transpazifischen Partnerschaft und eine laufende Untersuchung der chinesischen Praktiken hinsichtlich geistigen Eigentums zählen. Im Juni 2018 hatte das Amt des Handelsbeauftragten der Vereinigten Staaten mehr als 1.000 chinesische Produkte im Handelswert von über 50 Milliarden US-Dollar ins Visier genommen. Die Zölle werden nach und nach eingeführt und konzentrieren sich primär auf die wichtigsten Industriegüter und Technologien, die an Chinas Wirtschaftsprogramm „Made in China 2025“ geknüpft sind.

Vergeltungsschläge als größte Bedrohung

Die Erhebung von Zöllen ist kein neues Phänomen der amerikanischen Handelspolitik. Jeder Präsident seit Jimmy Carter hat protektionistische Handelsbeschränkungen erlassen, häufig in Bezug auf Stahl. Für sich betrachtet wird außerdem kaum einer Trump-Zölle großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Die bedeutendsten Zölle – auf Stahl- und Aluminiumimporte – würden Schätzungen zufolge das Bruttoinlandsprodukt der USA auf kurze Sicht lediglich um 0,2 Prozent pro Jahr senken.

Neu an den protektionistischen Maßnahmen ist ihr Kontext. Sie kommen zu einer Zeit, in der Amerika sich nach innen wendet, weg von seiner langjährigen Rolle als Verfechter eines freien Marktkapitalismus, der internationalen Zusammenarbeit und anderen Leitlinien, die mit der Globalisierung einhergehen. Der Grund, aus dem der aktuelle Zeitpunkt unserer Einschätzung nach besonders gefährlich ist, liegt im erhöhten Potenzial für besorgniserregendere Formen der Vergeltung: Insbesondere China unter Präsident Xi Jinping ist derzeit darauf bedacht, eine Alternative zu den Werten und der Vorherrschaft der USA zu leben.