Wachtendorf-Kolumne Gold: Zwischen Schwarz und Rosa ist noch Platz

Hat genug von einseitigen Gold-Kommentaren: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf | © Johannes Arlt

Hat genug von einseitigen Gold-Kommentaren: DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf Foto: Johannes Arlt

Wer hin und wieder Heavy-Metal-Festivals besucht, kommt an folgendem T-Shirt-Motiv kaum vorbei: „Schwarz ist bunt genug“. Beim Sweden Rock, in Wacken oder auf dem weniger bekannten „Headbangers Open Air“ in Brande-Hörnerkirchen – es dominiert im Wesentlichen eine Modefarbe. Nämlich jene, die auch der vielleicht größten Ikone der Metal-Szene – Motörhead-Gründer Lemmy Kilmister – zeitlebens die liebste war.

Schwarz ist auch die bevorzugte Farbe von Gold-Gegnern jeglicher Couleur. Wann immer sie sich zu Wort melden, skizzieren sie die Zukunft des gelben Metalls in den dunkelsten Tönen. Von wegen sicherer Hafen, Krisenwährung oder Vermögensschutz – wer Gold kauft, muss sich ihrer Meinung nach ganz im Gegenteil auf Kapitalverluste und hohe Schwankungen einrichten. Meist sind solche Warnungen garniert mit dem süffisanten Hinweis, dass der Unzenpreis heute auf Dollar-Basis ein Drittel niedriger notiert als 2011. Was ja stimmt. Dass er sich in den elf Jahren zuvor versiebenfacht hat, fällt in derartigen Betrachtungen allerdings meist unter den Tisch.

Auf der anderen Seite gibt es die beinharten Gold-Bullen. Sie malen den Untergang des Weltfinanzsystems an die Wand, suhlen sich in Verschwörungstheorien und sehen jeden Rücksetzer als ultimative Kaufgelegenheit. Die Aussichten für die weitere Preisentwicklung? Mindestens so rosarot wie das Fell von Paulchen Panther. Wer so argumentiert, räumt der großen Gold-Depression – zwischen Anfang 1980 und Ende 1999 fiel der Preis von 800 auf 250 Dollar – in seinen Schilderungen in der Regel keinen allzu breiten Raum ein.

Wirklich weiter bringt einen Anleger keine der beiden Fraktionen. Denn kleinster gemeinsamer Nenner im aktuell alles andere als einfachen Börsen-Umfeld sollte sein: Überhaupt kein Gold im Depot zu haben ist genauso falsch wie der komplette Tausch aller in den vergangenen Jahren glänzend gelaufenen Aktien- und Rentenbestände in die zurückgebliebene Anlageklasse. Gegen letzteres spricht neben charttechnischen Aspekten, dem starken Dollar und den deutlich gestiegenen US-Zinsen unter anderem auch die Tatsache, dass Berichte zur Goldpreis-Entwicklung im Internet noch immer ein sicherer Klick-Bringer sind. Derartige Berichte werden aber mehrheitlich von Gold-Optimisten gelesen. Mit anderen Worten: Bis zur Kapitulation der letzten Bullen – ein starkes Signal für eine nachhaltige Trendwende – kann es noch ein Weilchen dauern.

Umgekehrt ist die Grundstimmung für Gold bereits eine ganze Weile negativ. Neuerliche Verkaufswellen durch einen breiten Stimmungsumschwung sind folglich eher unwahrscheinlich. Der gerne herangezogene Bewertungsvergleich mit dem S&P-500-Index spricht zudem derzeit eindeutig für Gold. Der Vergleich mit Euro-Staatsanleihen sowieso: Inflationsbereinigt verbrennen Renten-Anleger weiter in großem Stil Geld. Hoffnung macht darüber hinaus, dass die Kurse von Minenaktien bemerkenswert stabil bleiben. Normalerweise reagieren diese mit einem Hebel auf Veränderungen des Goldpreises, hätten also seit Jahresbeginn viel heftiger nach unten ausschlagen müssen.

Überhaupt, Goldminenaktien. Dieser Markt erfüllt bereits heute in fast perfekter Weise die Vorgabe, dass einem Trendwechsel eine Kapitulation vorangegangen sein muss. Noch haben zwar nicht alle Minen-Fans das Handtuch geworfen. Wer jetzt noch dabei ist, dürfte aber durchhalten. Das Material für neue Käufer ist zudem begrenzt: Von der Marktkapitalisierung her bringen es alle Goldminen der Welt zusammengenommen nur auf ein Siebtel des Börsenwerts der Apple-Aktie. Hier früher oder später eine Verschiebung in den Relationen zu erwarten, mag ein Stück weit optimistisch sein. Aber durch die rosa Brille betrachtet? Nein, auf keinen Fall.