Zugangserleichterungen Brasiliens Infrastruktur bietet Chancen für Investoren

Diese 92 Infrastrukturprojekte will die brasilianische Regierung 2018 umgesetzen. Auch deutsche Investoren können sich daran beteiligen. | © Apex Brasil

Diese 92 Infrastrukturprojekte will die brasilianische Regierung 2018 umgesetzen. Auch deutsche Investoren können sich daran beteiligen. Foto: Apex Brasil

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Roberto Jaguaribe

Brasilien befindet sich nach schwierigen Jahren wieder im Aufschwung. Es ist ein beliebtes Ziel für Investitionen, und das trotz der durch die Krise von 2015/2016 verursachten Schwankungen. Seit 2010 gehört Brasilien zu den zehn wichtigsten Empfängerländern für ausländische Direktinvestitionen. Im letzten Jahr lagen diese bei fast 70 Milliarden US-Dollar. In diesem Jahr dürften sie auf 80 Milliarden US-Dollar ansteigen.

Die Größe des brasilianischen Binnenmarktes spielt dabei eine wichtige Rolle: Brasilien stellt mit 208 Millionen Einwohnern die fünftgrößte Bevölkerung der Welt – ein Drittel der lateinamerikanischen Bevölkerung. Das Land ist global die siebtgrößte Wirtschaftsnation mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1,772 Billionen Dollar (2015). Vor allem aber ist Brasilien nach Jahren der Wirtschaftskrise wieder in Bewegung geraten, nicht zuletzt aufgrund der Auslandsinvestitionen, die einen großen Teil zum wirtschaftlichen Aufschwung beitragen. Derzeit werden von der brasilianischen Regierung zahlreiche Änderungen bei Gesetzgebung und Vorschriften vorgenommen, um den Aufschwung zu fördern und das Umfeld für Investoren weiter zu verbessern.

Infrastruktur hat Nachholbedarf

Treiber für Investitionen und Wachstum ist die Modernisierung der brasilianischen Infrastruktur. Energie-, Öl- und Gas-Sektor, Automobilbranche, das Gesundheitswesen sowie Forschung und Entwicklung bieten zahlreiche Investitionsmöglichkeiten. Denn Brasilien hat in Sachen Infrastruktur Nachholbedarf. Das Land investierte bislang nur rund zwei Prozent seines BIP in die Infrastruktur. Mindestens drei Prozent wären notwendig, um eine Abwertung der bestehenden Infrastruktur zu vermeiden. Daher setzt die brasilianische Regierung auf private Partnerschaften und Gesetzesänderungen, um ausländischen Investoren mehr Attraktivität und Sicherheit zu bieten.

Im September 2016 wurde das Programm „Crescer (To Grow) - Building a Brazil of Opportunities“ ins Leben gerufen, um Konzessionen und Privatisierungen von Infrastrukturprojekten in den Bereichen Autobahnen, Eisenbahnen, Häfen, Flughäfen, Bergbau, Öl und Gas sowie Elektrizität zu realisieren. Von 145 im Rahmen des Programms qualifizierten Projekten wurden mittlerweile bereits 56 bereits versteigert oder erneuert. Schätzungen der Regierung zufolge werden die Investitionen über Auktionen 133 Milliarden US-Dollar, die damit verbundenen Zuschüsse 28 Milliarden US-Dollar übersteigen.

Erneuerbare Energien und Agritech bieten weitere Wachstumschancen

Dabei kristallisieren sich zwei weitere Wachstumsbereiche heraus. Zum einen die Erneuerbaren Energien: Brasilien ist der drittgrößte Weltmarkt und der größte lateinamerikanische Markt für Erneuerbare Energien. Es wird erwartet, dass ihr Anteil von 16,5 Prozent im Jahr 2015 auf 53 Prozent im Jahr 2040 ansteigen wird. Zum anderen bietet der Agrarsektor große Chancen für Investitionen. Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln für die wachsende Weltbevölkerung, die bis 2050 voraussichtlich 9 Milliarden erreichen wird, steigt weiter an. Brasilien wurde in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der größten Agrarproduzenten der Welt. Das Land wurde von der Welternährungsorganisation (FAO) als grundlegend für die weltweite Lebensmittelversorgung bis 2030 genannt. Aus diesem Grund bieten die Bereiche Agritech und agrarwirtschaftliche Infrastrukturen für ausländische Investoren interessante Investitionschancen mit langfristig guten Wachstumsaussichten.