Brandherde weltweit So gehen Anleger mit dem Aktienrisiko um

Will sich beim Risikomanagement nicht auf einzelne Kennzahlen verlassen: Loys-Vorstand Ufuk Boydak

Will sich beim Risikomanagement nicht auf einzelne Kennzahlen verlassen: Loys-Vorstand Ufuk Boydak

Sharpe, Sortino oder Treynor heißen die Erfinder der statistischen Kontrolle von Anlageergebnissen. Mit ihren Kennzahlen sollen Anleger beurteilen, ob sich das Risiko einer Geldanlage – gemessen an den erzielten Ergebnissen – gelohnt hat. Die Grundidee geht auf Harry Markowitz, dem Begründer der sogenannten „Modernen Portfoliotheorie“ zurück, die allerdings nächstes Jahr schon ihren sechzigsten Geburtstag feiert. Seitdem haben Digitalisierung und Vernetzung dazu beigetragen, dass die Daten von nahezu dreißigtausend Fonds in Sekundenschnelle ausgewertet werden können. Damit sollte es doch möglich sein, die Erfolgsaussichten der eigenen Geldanlage zu kalkulieren, wenn man schon die Zukunft nicht vorhersehen kann. Vielleicht ist die Portfoliotheorie aber auch reif für den Vorruhestand?

Mathematisiertes Risiko ist ein Irrweg

Risiko-Kennzahlen oder Value-at-Risk-Berechnungen basieren auf der Annahme, dass sich Kursverläufe langfristig im statistischen Sinne normal verhalten. Nur unter dieser Prämisse lässt sich eine durchschnittliche Rendite berechnen oder eine Standardabweichung hierzu. Von diesem Ausgangspunkt führt die Theorie zu einer zahlengestützen Renditeerwartung – und ebenso zu der Idee, Risiko als die Abweichung hiervon zu betrachten.

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Mit dieser Mathematisierung des Risikobegriffs und seiner rückwärtsgerichteten Messung befindet sich die Finanzindustrie aus unserer Sicht jedoch auf einem Irrweg. Krisen und Ausreißer an den Aktienmärkten zeigen immer wieder, wie gefährlich es ist, nur auf die statistische Normalverteilung der Renditen zu setzen oder sich bei der Risikoeinschätzung auf eine einzige Zahl zu verlassen. Eine niedrige Volatilität ist ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für ein konservatives Vermögensportfolio.

Finanzmärkte zu komplex

Weder das Ausmaß der letzten Finanzkrise noch der sprunghafte Anstieg der Volatilität zu Beginn dieses Jahres wurden von den einschlägigen Risikokennzahlen vorhergesagt, obwohl beide Entwicklungen manchen Anlegern sogar Totalverluste bescherten. Die Mehrheit der Akteure setzte einfach auf eine Fortsetzung des Trends geringer Schwankungen an den Aktienmärkten. Das ließ sich rein statistisch auch gut begründen, denn über einen langen Zeitraum hinweg befanden sich die Börsen ununterbrochen im Aufwärtstrend.

Kondensiert man die Komplexität der Finanzmärkte auf eine einzige mathematische Zahl, geht der Blick für die übergeordneten Zusammenhänge verloren. Mithilfe einfacher Kennzahlen ist es in der Praxis unmöglich, Richtungswechsel oder Trendwenden zu identifizieren.

Investmentprinzipien und gesunder Menschenverstand

Bei Loys managen wir Risiken deshalb nach vorne blickend, gestützt auf die fundamentale Einordnung des Börsengeschehens. Das eigentliche Risiko in der Geldanlage besteht nicht in den historisch gemessenen Preisschwankungen, sondern vielmehr in der in der Zukunft liegenden Gefahr eines nachhaltigen Vermögensschadens oder entgangenen Vorteils für das eingesetzte Kapital. Dabei arbeiten auch wir mit Zahlen, zuweilen auch mit der Abwägung von Wahrscheinlichkeiten und der Einordnung von Entwicklungen in die Wirtschaftshistorie. Unsere Anlageentscheidungen orientieren sich aber an Investmentprinzipien, die immer Gültigkeit hatten: Qualität, Unterbewertung, Streuung und Zeit.

Warten auf den Crash

Aktuell sehen wir viele mögliche Brandherde für die Märkte, wie die italienische Regierungskrise, die internationalen Handelskonflikte oder auch der Druck in den Schwellenländern aufgrund steigender Zinsen und einer erstarkten US-Währung.

Dieser zweitlängste Börsenaufschwung seit Aufzeichnung der Kurse wird von vielen Anlegern mit Misstrauen beäugt. An diesem Punkt sehen wir eine höhere Wahrscheinlichkeit für Verlustrisiken. Dennoch finden sich mit einer fundamentalen Analyse und gesundem Menschenverstand Einzeltitel, die mit einem signifikanten Abschlag zu dem von uns berechneten fairen Unternehmenswert gehandelt werden.

Zusätzlich achten wir auf die Qualität und Stabilität des Geschäftsmodells und der Bilanz. Hierdurch gelangen unsere Portfolios erfahrungsgemäß besser durch schwierige Marktphasen und erholen sich nach Marktkorrekturen deutlich besser im Vergleich zum Marktdurchschnitt.

Weiterhin streuen wir über verschiedene Geschäftsmodelle, um sogenannte Klumpenrisiken zu vermeiden. Vor allem lassen wir uns aber in guten Zeiten nicht verleiten, schlechte Risiken einzugehen. Unsere Fonds sind stets so aufgestellt, dass wir für eine Korrektur an den Märkten vorbereitet sind. Unser Anspruch lautet unter den Aktienfondsmanagern am Markt zu den konservativsten zu gehören. Unsere Überzeugung für unseren Weg am Aktienmarkt unterstreichen wir mit hohen Eigeninvestments in unseren Fonds.