Eyb & Wallwitz: "Die EZB kann Süd-Europas Probleme nicht lösen"

Ernst Konrad, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz und Fondsmanager der Phaidros-Fonds.

Ernst Konrad, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz und Fondsmanager der Phaidros-Fonds.

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Die Notenbanken haben es wieder einmal geschafft, die Finanzmärkte in Jubelstimmung zu versetzen. Bereits im Juli hatte Mario Draghi mit der Aussage, die EZB werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um den Zusammenhalt der Eurozone zu gewährleisten, den Grundstein gelegt.

Im September wurde er dann konkreter: Wenn sich ein Land an den europäischen Rettungsschirm ESM wendet und entsprechende Auflagen akzeptiert, kann die EZB Anleihen dieses Landes in unbegrenzter Höhe kaufen.

Den Paukenschlag setzte aber Ben Bernanke am 13. September: Er verkündete ein Kaufprogramm für hypo-thekenbesicherte Anleihen von bis zu $40 Mrd. pro Monat, das solange fortgeführt werden soll, bis sich der Arbeitsmarkt nachhaltig erholt hat. Damit gibt es de facto keine zeitliche Befristung. Gleichzeitig wird die FED bis mindestens 2015 an ihrer Nullzinspolitik festhalten.

Auf solche Aussagen waren die Finanzmärkte nicht gefasst und reagierten entsprechend: Deutsche und europäische Aktien markierten neue Jahreshochs und US-Aktien erreichten sogar den höchsten Stand seit 2007. Die Renditen italienischer und spanischer Staatsanleihen fielen wieder auf das Niveau vom Frühjahr und der Goldpreis erreichte mit bald $1.800 fast wieder sein Hoch vom Frühjahr.

Die sicheren Häfen wie deutsche und US-Staatsanleihen waren auf einmal nicht mehr gefragt, dafür aber wieder der Euro, der gegenüber dem US-$ seit seinem Tiefstand vom Juni um 7% zulegen konnte und sich sogar gegenüber dem  Schweizer Franken leicht erholt hat.  Der Stress im Finanzsystem diesseits und jenseits des Atlantiks hat sich deutlich zurückgebildet, die Financial Conditions Indizes in den USA und Europa befinden sich wieder auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise (vgl. Grafik 1).

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Mancher Marktteilnehmer, der noch vor 3 Monaten vor einer Wiederholung des Sommers 2011 gewarnt hatte, reibt sich ungläubig die Augen.
Von Seiten der FED ist man ja durchaus Überraschungen gewöhnt, dass aber die EZB so deutlich aus dem Schatten der Bundesbank treten würde, war nicht zu erwarten. Es ist ihr tatsächlich gelungen, das Risiko eines baldigen unkontrollierten Auseinanderbrechens der Eurozone (im Fachjargon spricht man auch gerne von „tail risk“) deutlich zu vermindern.