Kleine und Mittelgroße Unternehmen Warum Small- und Mid-Cap-Aktien das Portfolio stabilisieren können

//

Jefferson L. Harralson ist allein. Der Aktienanalyst von Keefe Bruyette & Woods ist der einzige Beobachter, der eine Meinung zu dem US-amerikanischen Bankhaus Charter Financial hat. Zumindest eine, die der Datenanbieter Bloomberg als offizielles Analystenvotum gelten lässt.

Und Harralson sagt: Outperform – die Aktie wird besser laufen als der Index. In den vergangenen fünf Jahren brachte das Papier in US-Dollar 13,9 Prozent Gewinn pro Jahr inklusive Dividenden. Der Dow Jones-Index schaffte 9,2 Prozent.

Die Bank aus West Point in Georgia ist ein Nebenwert. 267 Mitarbeiter hat sie, an der Börse kostet sie 192 Millionen Dollar. Bei Goldman Sachs arbeiten 34.900 Menschen, der Börsenwert liegt bei 75,3 Milliarden Dollar. Deshalb ist Goldman Sachs im Dow-Jones-Index und Charter nicht. Stattdessen taucht die kleine Bank im Nebenwerte-Index Russell 2000 auf.

Rampenlicht und Schattendasein

Sie sind kaum beachtet, im Rampenlicht stehen die Größeren. Deshalb sind Nebenwerte spannender und lukrativer als Standardaktien. Bei ihnen ist noch nicht jeder Stein umgedreht, es gibt noch Überraschendes zu entdecken. Der weitere Vorteil ist, dass kleinere Unternehmen prozentual stärker wachsen können als Dickschiffe.

Der deutsche Nebenwerte-Index M-Dax legte ohne Dividenden in zehn Jahren um 94,3 Prozent zu, der Dax nur um 24,5 Prozent. Trotzdem liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) mit 17,2 sogar unter dem des Dax (24,3). Die Kurszuwächse sind also keine Luftnummern, sondern bestens mit Gewinnwachstum unterfüttert.

Der Unterschied zwischen Rampenlicht und Schattendasein verschärft sich durch den seit einigen Jahren laufenden Trend zu Indexfonds (ETF): Vor allem institutionelle Anleger fühlen sich zum Beispiel schon ausreichend mit deutschen Aktien eingedeckt, wenn sie die 30 Dax-Titel als Discount-Fonds bekommen. In ETFs für europäische Standardwerte liegen derzeit rund 42,9 Milliarden Euro. Die Indexfonds für Nebenwerte bringen es auf gerade mal 2,4 Milliarden Euro.