Kursverluste Darum ist die Absicherung von Multi-Asset-Fonds historisch kostengünstig

Händler an der Börse Frankfurt: Die Kurse werden unter anderem durch das von Anlegern erwartete Ausmaß der Volatilität bestimmt. | © Getty Images

Händler an der Börse Frankfurt: Die Kurse werden unter anderem durch das von Anlegern erwartete Ausmaß der Volatilität bestimmt. Foto: Getty Images

Die Kurse an den Finanzmärkten werden durch unterschiedlichste Faktoren bestimmt, unter anderem durch Volatilität. Je höher die Erwartung der Anleger hinsichtlich starker Schwankungen ist, desto mehr verteuern sich Finanzinstrumente wie Optionen, die Schutz bieten.

In letzter Zeit werden die Finanzmärkte häufig als „selbstgefällig“ bezeichnet und es wird ihnen eine geringe „implizite Volatilität“ attestiert.

Am Besten lässt sich die aktuell konstatierte Selbstgefälligkeit der Finanzmärkte am VIX-Index für die US-Aktienmärkte sowie am V2X-Index für die europäischen Aktienmärkte ablesen, die in der nachfolgenden Grafik abgebildet sind. Beide Barometer messen die implizite Volatilität kurzfristiger Optionen an diesen Märkten. Um die implizite Volatilität zu erläutern, bedarf es zunächst eines kurzen Abstechers zur Preisbildung bei Optionen.

Entwicklung der Indices VIX und V2X

                                                                                             Quelle: Bloomberg 2017

Zwei Komponenten bestimmen den Preis einer Option: der innere Wert und der Zeitwert. Der innere Wert entspricht dem Wert, der beim Kauf und der sofortigen Ausübung der Option realisiert werden kann. Der Zeitwert trägt der Tatsache Rechnung, dass der Wert einer Option bis zum Laufzeitende steigen kann.

Maßgeblich für den Zeitwert ist vor allem die implizite Volatilität. Sie gibt die von Anlegern erwartete Schwankungsbreite eines Basiswerts an. Je höher die prognostizierte Volatilität ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Option einen Gewinn beschert. Folglich ist der Kaufpreis solcher Optionen höher als bei jenen mit niedriger impliziter Volatilität.

Die Grafik oben zeigt, dass sich die implizite Volatilität an den europäischen und den US-Aktienmärkten derzeit auf einem Rekordtief befindet. Daher sind die Optionspreise an beiden Märkten aus historischer Sicht niedrig. Sowohl bei hohen als auch bei niedrigen Optionspreisen gibt es für Multi-Asset-Manager ausgezeichnete Anlagechancen:

Chancen bei historisch hohen Optionspreisen

Wenn Anleger nervös sind, steigt die implizite Volatilität, was wiederum die Optionspreise in die Höhe treibt. In einem solchen Umfeld können Multi-Asset-Manager Optionen (oder Optionskombinationen) verkaufen, um eine höhere Rendite zu erzielen.

  • Verkauf von „Straddles“ oder „Strangles“: Bei dieser Optionsstrategie werden eine Put- und eine Call-Option auf denselben Basiswert gleichzeitig verkauft. Investoren erwirtschaften Gewinne, sofern sich der Preis des Basiswerts nicht zu sehr verändert. Bei einer hohen impliziten Volatilität wächst die Spanne, in der sich der Basiswert bewegen kann, und die Option bleibt dennoch profitabel.
  • Verkauf von Optionen: Beim Verkauf von Optionen steigt die Portfoliorendite, da die Optionsprämien in das Portfolio fließen. Diese Strategie birgt jedoch ein unbegrenztes Verlustrisiko und ist daher riskant.

Chancen bei historisch niedrigen Optionspreisen

Das aktuelle Klima an den Finanzmärkten wird aus historischer Sicht als selbstgefällig eingestuft. Daher ist eine Absicherung eines Multi-Asset-Portfolios mithilfe von Optionen derzeit vergleichsweise kostengünstig zu haben. Folgende Strategien sind besonders interessant:

  • Durch den Kauf von Put-Optionen lassen sich Fonds gegen Kursverluste absichern. Diese Optionen sind aufgrund der geringen impliziten Volatilität aus historischer Sicht günstig.
  • Kauf von „Straddles“ und „Strangles: Beim Kauf solcher Optionskombinationen wächst der Wert eines Portfolios, wenn der Preis des Basiswerts sich ausreichend stark in positives oder negatives Terrain bewegt.

„An den Finanzmärkten herrscht geringe implizite Volatilität“

Optionspreise hängen wesentlich von der impliziten Volatilität ab. Damit ist die zukünftige Schwankungsbreite gemeint, die Anleger erwarten. Dabei wird zwischen einer historisch durchschnittlichen, hohen oder niedrigen impliziten Volatilität unterschieden. Sowohl bei niedriger als auch bei hoher impliziter Volatilität gibt es Anlagechancen für Multi-Asset-Manager.

Derzeit herrscht am „selbstgefälligen“ Finanzmarkt eine geringe implizite Volatilität. Vor diesem Hintergrund sind Strategien zum Schutz von Multi-Asset-Portfolios vor allgemeinen Kursverlusten historisch günstig und eine Überlegung wert.