Lektion im höflichen Zahlungsausfall Kontrolle exzessiver Verschuldung von Industrienationen

Jim Cielinski

Jim Cielinski

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Die USA, Großbritannien und vor allem Japan stehen vor scheinbar unlösbaren Schuldenproblemen. Sie gehören zu den weltweit größten Gläubigern und scheinen ihre Konsumfreude nicht zügeln zu können, aber dennoch sind und bleiben ihre Anleihemärkte Horte der Stabilität. Kann dies tragfähig sein? Können die Schuldenprobleme dieser Länder gelöst werden?

Die Schulden dieser Volkswirtschaften sind tatsächlich zu hoch, werden aber wahrscheinlich eher zu langsamerem Wachstum führen, nicht zu einer Krise. Eine Vielzahl an Untersuchungen haben eine Verbindung zwischen hoher Schuldenlast und Wachstum aufgezeigt.

Für Länder mit einer Staatsschuldenquote von über 100 Prozent wird zum Beispiel prognostiziert, dass ihr jährliches Wachstumspotenzial um 0,75 Prozent bis 1,25 Prozent zurückgeht. Die Rückzahlungsfähigkeit ist jedoch selten gefährdet. Dies gilt insbesondere für ausstehende Schulden in Lokalwährung.

Die USA, Großbritannien und Japan verfügen über zahlreiche Instrumente, um gegen das Schuldenproblem anzugehen, und sie haben gerade erst damit angefangen, diese Instrumente auch einzusetzen.

Japan ist seit langer Zeit der Inbegriff einer laxen Einstellung zu Schulden. Mit einer Staatsschuldenquote von über 200 Prozent und einer tickenden demografischen Zeitbombe wird es oft als Land angeführt, bei dem sich die nächste Krise anbahnt. Doch in Wirklichkeit zeigt sich darin nur mangelndes Verständnis dafür, wie sich Krisen entwickeln.

Tatsächlich erträgt Japan seit mehr als zwei Jahrzehnten seine ganz eigene Form der Schuldenkrise. In einer Krise werden nicht unbedingt Feuerwerkskörper gezündet, und es muss auch keine Panik herrschen. Eine Krise kann auch eine langwierige Phase mit suboptimalem Wachstum und Wertverlust bei Vermögenswerten sein. Dies ist die Lektion einer übermäßigen Schuldenlast.

Höflicher Zahlungsausfall

Die Unfähigkeit zur Rückzahlung der Schulden – oder eine Restrukturierung der Schulden – ist die dramatischste Form einer Schuldenkrise. Dies ist einfach keine realistische Option für die meisten westlichen Länder. Abgesehen von unzulänglicher Geldpolitik gibt es keinerlei Grund, warum diese fatalste aller Möglichkeiten anzustreben wäre.

In Japan zum Beispiel werden mehr als 85 Prozent der Staatsanleihen von inländischen Gläubigern gehalten. Die Bank of Japan kann Geld in unbegrenzter Menge drucken und damit japanische Staatsanleihen kaufen. Dadurch wird einem Zahlungsausfall vorgebeugt, aber die Nebenwirkungen könnten eine deutlich höhere Inflation oder eine erheblich schwächere Währung sein.

Übermäßige Schulden müssen letztlich in irgendeiner Art und Weise abgebaut werden. Ein tatsächlicher Zahlungsausfall ist dabei jedoch nur eine von vielen Optionen und dürfte hauptsächlich bei Ländern mit hohen Fremdwährungsschulden eintreten. Andere Möglichkeiten sind unten in Abbildung 1 zusammengefasst.

Die Auswirkungen mancher dieser Möglichkeiten sind zwar weniger schlimm als die eines Zahlungsausfalls, ähneln ihnen aber dennoch.

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Abb. 1: Welches Heilmittel soll‘s denn sein? Giftig sind sie alle

Quelle: Threadneedle, April 2014

Da es so viele vernünftige Möglichkeiten zum Schuldenabbau gibt und kein Ausfallrisiko besteht, ist klar, dass scheinbar unlösbare Schuldenlasten meist zu niedrigeren und nicht zu höheren Renditen führen.

Schulden verringern sowohl das Wachstum als auch den Preisdruck. Gleichzeitig können sie, wie das Beispiel Japan zeigt, paradoxerweise die weltweit niedrigsten Anleiherenditen in der weltweit am höchsten verschuldeten Volkswirtschaft hervorbringen.

Das ist auch ein Grund dafür, warum die Anleihen von Peripherieländern der Eurozone einen so steilen Höhenflug verzeichnet haben. Nachdem die EZB das Ausfallrisiko ausgeschlossen hat, sind übermäßig hohe reale Zinsen unter dem Gewicht von schwachem Wachstum und niedriger Inflation eingebrochen.