Phaidros Funds Balanced Georg von Wallwitz: „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche“

Georg Graf von Wallwitz, Eyb & Wallwitz: „Der Dollar wird keine Weichwährung.“

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Sun Tsu, mit Carl von Clausewitz der bedeutendste Militärphilosoph der Geschichte, war, bevor er sein großes Werk über die Kunst des Krieges schrieb, ein Mann von großem praktischem Talent.

Als der König von Wu in der Zeit der Streitenden Reiche (irgendwann im 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr.) überlegte, Sun Tsu zum General zu machen, stellte er ihm eine Aufgabe: Er sollte aus den 180 Konkubinen seines Harems Soldatinnen machen. Sun Tsu teilte die Damen daraufhin in zwei gleich große Haufen ein und bestellte die beiden Lieblingskonkubinen zu deren Befehlshaberinnen. Nun befahl er, die beiden Kompanien sollten sich ausrichten und nach rechts schauen. Die Konkubinen kicherten aber nur, was sonst?

Sun Tsu sagte daraufhin, er als General sei dafür verantwortlich, dass seine Soldatinnen seine Befehle verstanden, und wiederholte das Kommando. Wieder kicherten die Damen. Nun befahl Sun Tsu die Lieblingskonkubinen zu exekutieren, denn wenn die Soldatinnen den Befehl verstanden, ihn aber nicht befolgten, so sei dies die Schuld der Offizierinnen. Der König von Wu protestierte heftig, wurde von Sun Tsu aber in seine Schranken gewiesen: Wenn der König einmal einen General ernannt hat, darf er ihm bei der Ausführung seines Auftrages nicht mehr dreinreden. Nun wurden zwei neue Lieblingskonkubinen ernannt und der Harem funktionierte seither nicht anders als ein Feldlager. Sun Tsu aber wurde General.

Bei Investmentbankern angesagt

In den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es unter Investmentbankern die Mode, ihr Vorgehen mit den Ideen des Sun Tsu zu rechtfertigen. Dessen Schrift hatte den Vorteil, sehr kurz und einfach verständlich zu sein (Firmeneroberer haben meist kurze Aufmerksamkeitsspannen), und dabei gleichwohl einige ewige Wahrheiten zu Papier zu bringen. Wie etwa den Rat, lange Belagerungen (Übernahmeversuche) oder Grabenkämpfe zu vermeiden („Wenn der Sieg auf sich warten lässt, werden die Waffen stumpf und der Enthusiasmus der Krieger verfliegt“).

Oder überhaupt dem Kampf aus dem Weg zu gehen und lieber aus einer Position der Stärke eine friedliche Einigung zu versuchen („Die höchste Vollkommenheit in der Kriegskunst besteht darin, den Widerstand des Feindes ohne Kampf zu brechen“). Oder im Fall des Kampfes sehr schnell sehr stark zuzuschlagen und dabei die Geschwindigkeit keinesfalls der fehlerlosen Vorbereitung zu opfern („Wir haben zwar von dummer Eile im Krieg gehört, aber lange Verzögerungen waren dennoch niemals klug“). Und so weiter.