Private Altersvorsorge Verlustgefahr bei Anleihen größer als bei Aktien

Rentner im Urlaub: Wer seinen Lebensstandard erhalten will, muss privat vorsorgen. | © spotmatikphoto / Fotolia

Rentner im Urlaub: Wer seinen Lebensstandard erhalten will, muss privat vorsorgen. Foto: spotmatikphoto / Fotolia

Keine Frage: Das deutsche Rentensystem mit seinem  Generationenvertrag aus dem Jahr 1957 wankt. Die Menschen werden immer älter und haben immer weniger Kinder. Heute müssen drei Arbeitnehmer einen Rentner finanzieren – im Jahr 1960 waren es noch sechs. Hinzu kommt, dass die Menschen immer älter werden und immer länger Geld vom Staat beziehen. 1960 erhielten die Deutschen im Schnitt noch zehn Jahre Rente – heute sind es bereits 20 Jahre.

Was tun? Die Politik hat sich in den vergangenen Jahren bereits um Reformen bemüht. Seit das sogenannte Altersvermögensergänzungsgesetz im Jahr 2000 in Kraft getreten ist dürfen Renten hinter Lohnsteigerungen zurückbleiben. Zudem fördern Bund und Länder sowohl die betriebliche als auch die private Altersvorsorge und das Renteneintrittsalter wurde von 65 auf 67 Jahre erhöht.

Bisher waren all diese Maßnahmen nur mäßig erfolgreich. Der betriebliche und private Altersvorsorgebereich ist mit gerade einmal 17 Prozent der heutigen Renteneinkommen noch nicht in Schwung gekommen. In Ostdeutschland beläuft sich der Anteil sogar nur auf 10 Prozent. Bereits erzielte Verbesserungen des Rentensystems wurden mit der „Mütterrente“ und der „Rente mit 63“ im Jahr 2013 untergraben.

Zuschüsse für das Rentensystem

Letztendlich muss der Fiskus das Rentensystem mit rund 25 Prozent seines Volumens bezuschussen, um es am Laufen zu halten. Für künftige Rentner ist das eine Farce. Was nützt ihnen die Diskussion um Renten- und Beitragshöhe, wenn das Defizit letztendlich über höhere Steuern ausgeglichen wird? Sicher ist: Solange die Geburtenraten nicht drastisch steigen, müssen Arbeitnehmer privat vorsorgen um ihren Lebensstandard im Rentenalter zu erhalten.

Wir von BlackRock sind überzeugt, dass die individuelle Vorsorge in Deutschland ausgebaut werden muss. Gemeinsam mit betrieblichen Programmen macht sie aktuell nur 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus – ein viel zu niedriges Niveau. Damit liegt Deutschland weit unter dem OECD-Durchschnitt von 83 Prozent.

Zudem ist das Anlageverhalten der Deutschen problematisch. 70 Prozent der Haushalte halten ihr Vermögen laut unserer jüngst durchgeführten Investor Pulse Studie in Cash, also in Bargeld oder auf Tagesgeldkonten. Daraus entspringen keine nennenswerten Renditen, die das Rentenniveau steigern.

Viele künftige Rentner dürften die Beziehung zwischen Risiko und Rendite inzwischen verstanden haben – dennoch ist die Mehrheit nicht bereit, einen Teil ihres Einkommens in riskantere Anlageklassen zu investieren, die tatsächlich Renditen generieren. Finanzberater müssen unbedingt Aufklärungsarbeit leisten und Anlegern die Angst vor Aktien nehmen. Folgende Argumente sind hierbei hilfreich:

1. Auf Fünf-Jahressicht sind nicht nur die erwarteten Renditen von Aktien höher als die von Anleihen. Anleihen sind auch riskanter. Denn: Im aktuellen Umfeld steht früher oder später eine Zinserhöhung an, die den Wert von Anleihen mindern kann. Das gilt sowohl für Staatsanleihen als auch für Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich.

2. Über längere Anlagezeiträume ab 15 Jahren bewegt sich das Verlustrisiko von Aktien gegen null. Da eine Altersvorsorge immer langfristiges Sparen nötig macht, bieten sich Investitionen in Aktien an. Besonders die jüngere Generation sollte beim Rentenaufbau stark auf die Asset-Klasse setzen. Die Daumenregel für die Aktienquote lautet: 100 – Alter in Jahren. Für einen 25-jährigen ergäbe sich beispielsweise eine Aktienquote von 75 Prozent.

3. Anleger können mit Aktien Cost-averaging nutzen: In günstigen Phasen wird gekauft, in teuren verkauft. Fondsmanager bezeichnen damit die Funktionsweise von Sparplänen: In Zeiten, in denen Kurse niedrig sind, werden viele Aktien gekauft. Bei hohen Kursständen werden hingegen wenig Titel gekauft. Das Kapital fließt folglich dann in den Aktienmarkt, wenn die Chancen für Kurssteigerungen hoch sind. Auf der anderen Seite ist ein Sparplan defensiv, wenn Kursrückschläge wahrscheinlich sind.

Generell gilt bei der privaten Altersvorsorge unabhängig davon, ob sie mit Aktien und Anleihen betrieben wird: Kapitalgarantien sind nicht mehr zeitgemäß, weil die Kosten für die Garantie den Ertrag auffressen und damit den Vermögensaufbau bremsen. Finanzberater sollten Alternativen heranziehen, die im Hinblick auf den Rentenaufbau als erfolgsversprechend wahrgenommen werden, transparent und günstig sind und zum Risiko-Ertragsprofil des Kunden passen.