Research-Spezialist von Sal. Oppenheim Darum nehmen Long/Short-Fonds jetzt wieder Geld an

Milot Hasaj, Fonds-Research Sal. Oppenheim jr. & Cie.

Milot Hasaj, Fonds-Research Sal. Oppenheim jr. & Cie.

Seit Jahresbeginn geht es gefühlt Schlag auf Schlag: Vier Long/Short-Fonds haben nach längerer Zeit der Schließung jetzt wiedereröffnet. Zuletzt verkündete die britische Fondsgesellschaft Schroders, die Schließung des Schroders European Alpha Absolute Return zurücknehmen zu wollen. Der Fonds hatte im März 2016 die Reißleine gezogen – ein Hard Closing: Nicht einmal bereits investierte Anleger konnten danach mehr Anteile an dem Fonds erwerben.

Vor der Wiedereröffnung bei Schroders hatten auch schon JP Morgan und Rhenman & Partners AM angekündigt, zuvor geschlossene Fonds wieder öffnen zu wollen: Der JP Morgan Europe Equity Absolute Alpha nimmt nach einem Hard Closing im April 2015 wieder Mittel an – ebenso wie der Fonds Rhenman Healthcare Equity Long/Short, der nach einem Soft Closing im November 2015 Anfang der vergangenen Woche wieder öffnete. Wiederum eine Woche zuvor hatte Blackrock verkündet, seinen Fonds Blackrock European Opportunities Extension für neue Mittel zu öffnen. Der Fond war im Juli 2014 hart geschlossen worden.

Warum nach einer ganzen Reihe von Schließungen die Fonds jetzt wieder neue Mittel anziehen wollen?

Einige Long/Short-Aktienfonds, besonders solche mit Europa-Fokus, seien im vergangenen Jahr „Opfer des eigenen Erfolges“ geworden, gibt Milot Hasaj, Fondsselekteur bei Sal. Oppenheim, eine Einschätzung. Viele dieser Fonds hatten 2015 im hohen einstelligen Bereich zugelegt. Anders 2016: Im vergangenen Jahr fuhren viele Long/Short-Fonds das schlechteste Ergebnis seit der Finanzkrise ein, so Hasaj. Besonders problematisch: Fonds mit Europa-Fokus. Als Gründe für deren schlechtes Abschneiden nennt Hasaj einerseits Favoritenwechsel und Sektor- sowie Faktor-Rotationen: Von vielen Anlegern  als vielversprechend eingestufte Titel und Sektoren konnten die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen, zudem habe sich der Fokus auf neue Investmentansätze verschoben. Nicht zuletzt hätten im vergangenen Jahr politische Überraschungen wie das Brexit-Votum und das Wahlergebnis aus den USA vielen Long/Short-Strategien die Performance verhagelt.

Enttäuschte Investoren – besonders solche, die bei der Fondsauswahl vor allem die Performance und weniger die Risiken der Strategie im Blick gehabt hätten – hätten daraufhin Mittel abgezogen, schätzt Hasaj. Das habe die Fondsgesellschaften jetzt zur Kehrtwende  veranlasst: Long/Short-Fonds werden wiedereröffnet.

Nach den jüngsten Ankündigungen von Blackrock, JP Morgan und Co. könnten weitere Gesellschaften dem Beispiel folgen, vermutet Hasaj: „Wir glauben, dass diese Phase die Risiken solcher Strategien sichtbar gemacht hat und dass Anleger die möglichen Risiken jetzt besser beurteilen können. Wir rechnen damit, dass weitere Strategien wieder öffnen.

Der Fonds-Spezialist gibt sich vom Potenzial von Long/Short-Strategien auch für die Zukunft überzeugt:  Auch weiterhin sollen sie zwecks Diversifikation in Kundenportfolios von Sal. Oppenheim eingesetzt werden. „Dabei bevorzugen wir lang erprobte, transparente, liquide und markneutrale Strategien“, so Hasaj.