Sustainability-ETFs „Nachhaltigkeit ist kein Modethema mehr“

Nach dem Skandal um den Wolfsburger Autokonzern VW bekam das Thema Nachhaltigkeit bei der Anlageentscheidung einen neuen Stellenwert | © Getty Images

Nach dem Skandal um den Wolfsburger Autokonzern VW bekam das Thema Nachhaltigkeit bei der Anlageentscheidung einen neuen Stellenwert Foto: Getty Images

Vor gut zwei Jahren durchzuckte ein Paukenschlag die deutsche Unternehmenslandschaft. Im September 2015 wurde bekannt, dass Volkswagen seit Jahren die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge manipulierte. Der Skandal um den Wolfsburger Konzern hat auch Investoren aufgeschreckt. Das Thema Nachhaltigkeit bei der Anlageentscheidung bekam einen neuen Stellenwert. Schon länger spielen dabei nicht mehr nur ökologische Kriterien eine Rolle. Auch soziale Komponenten, Corporate-Governance-Themen, das Wirken des Unternehmens auf die Gesellschaft sind wichtige Faktoren, auf die geachtet wird.

Das Umdenken der Investoren und deren Kunden war auch im ETF-Geschäft zu spüren. Die Nachfrage nach nachhaltigen ETFs zog stark an, auch die entsprechenden UBS-Produkte hatten deutliche Zuflüsse. Ihr Volumen hat sich seitdem fast verdreifacht auf 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt waren in Europa zum Ende des ersten Quartals 2017 3,2 Milliarden Euro in Nachhaltigkeits-ETFs investiert. 2013 waren es gerade einmal 360 Millionen Euro.

Der Trend ist klar steigend. Nachhaltigkeit ist kein Modethema mehr, sondern ein wesentliches Investmentthema, das zu neuen Qualitätsstandards bei der Bewertung von Unternehmen führen wird. Passive Produkte werden hier eine wichtige Rolle spielen, das Wachstum wird sich fortsetzen. Die Anzahl der Produkte hat bereits deutlich zugenommen. Der ETF-Bereich hat aufgeholt, mittlerweile ist das Angebot von aktiven und passiven Produkten weit ausgewogener als vor wenigen Jahren.

Wachsendes Angebot trifft auf vielfältige Kundenlandschaft

Nachgefragt werden Nachhaltigkeits-ETFs mittlerweile von einem breiten Kundenkreis. Zunächst waren es die großen Assetmanager, die zum Beispiel im Dachfondsbereich Lösungen mit Fokus auf Nachhaltigkeit (Social Responsible Investment, kurz SRI) eingesetzt haben. Dann kam die Nachfrage von Versicherungen, die in ihren Fondspaletten der fondsgebundenen Policen auch SRI-ETFs aufnehmen und damit auf den Bedarf von Privatkunden reagieren. Auch Stiftungen und kirchliche Investoren zählen zu den Interessenten und nicht zuletzt Privatbanken, die zunehmend Vermögensverwaltungsmandate anbieten, die auf Nachhaltigkeit basieren.

UBS bietet seit 2010 Aktien-ETFs mit SRI-Fokus an. Indexpartner ist MSCI. Das Unternehmen hat mit über 200 Mitarbeitern das größte Analyseteam in diesem Bereich und verfügt über 40 Jahre Erfahrung in der Unternehmensanalyse hinsichtlich ökologischer, sozialer und die Unternehmensführung betreffender Faktoren (ESG-Research). Das Auswahlverfahren für die Indexmitglieder umfasst drei Teile.

Zunächst werden Unternehmen herausgefiltert, die in kontroversen Geschäftsfeldern tätig sind und einen negativen Einfluss auf Gesellschaft und Umwelt haben. Dazu zählen zum Beispiel Waffen, Atomenergie, Alkohol oder Tabak. Im zweiten Teil erfolgt nach dem Best-in-Class-Ansatz die Auswahl von Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeits-Ratings je Sektor. Zudem untersucht MSCI, ob die Unternehmen ESG-Regeln widersprechen, etwa durch die Nicht-Einhaltung globaler Normen und Prinzipien wie dem UN Global Compact oder den ILO Normen. MSCI geht bei der Analyse sehr in die Tiefe. Pro Unternehmen entstehen detaillierte Berichte, die durchaus 60 bis 120 Seiten lang sein können.

Keine Chance für VW und BP

Dieser dreiteilige Ansatz hat sich als erfolgreich erwiesen. Volkswagen war beispielweise nie in einem MSCI-SRI-Index. Das Research-Team sah stets Mängel in der Corporate Governance. Auch im Fall BP waren die MSCI-Experten früh skeptisch. Schon lange bevor der Brand auf der Ölplattform Deepwater Horizon 2010 den Konzern ins Rampenlicht katapultierte, hatten sie kritisiert, dass die Investitionen in die Sicherheit von Mitarbeitern reduziert wurden, und haben den Ölkonzern aus den SRI-Indizes entfernt.

Im Angebot hat UBS Aktien-SRI-ETFs auf die Regionen Eurozone, Großbritannien, USA, Japan, Pazifik, Emerging Markets sowie eine globale Variante. Als das Nachhaltigkeitsthema in den vergangenen zwei Jahren verstärkt in den Anlegerfokus rückte, begannen Investoren, auch im Anleihebereich nachhaltige ETF-Lösungen nachzufragen. UBS hat zunächst einen SRI ETF für US-Unternehmensanleihen aufgelegt, im vergangenen Jahr folgte ein Produkt für Euro-Unternehmensanleihen. Diese Reihe soll weiter wachsen und nachhaltige Anleihe-ETFs für diverse Regionen anbieten. Als Ausgangsuniversum dienen hier die klassischen Indizes von Barclays, auf die das MSCI-ESG-Research angewandt wird.