US-Investor Blackstone Group kommt Europas Anlegern zuvor

Kohlekraftwerk Mehrum bei Hannover. Viele Energieverorger trennen sich derzeit von alten, konventionellen Kraftwerken - zur Freude von spezialisierten Investoren | © Getty Images

Kohlekraftwerk Mehrum bei Hannover. Viele Energieverorger trennen sich derzeit von alten, konventionellen Kraftwerken - zur Freude von spezialisierten Investoren Foto: Getty Images

Der Neustart eines brachliegenden niederländischen Gaskraftwerkes durch Blackstone Group LP in der vergangenen Woche unterstreicht den Appetit von Investoren für einige der Aktiva, die von Europas größten Versorgern aufs Abstellgleis geschoben wurden.

Das Rijnmond-Werk in Rotterdam hatte am Montag vergangener Woche zum ersten Mal Strom verkauft seit der Übernahme der bankrotten Anlage durch den weltgrößten Beteiligungsfonds 2016. Versorger wie die deutsche RWE AG und die französische Engie SA halten einige Werke noch immer geschlossen, weil diese nicht profitabel sind.

Viele Stromunternehmen hatten zuletzt europaweit Gas- und Kohlekraftwerke geschlossen, verkauft oder ausgelagert, weil der Boom bei Wind- und Solarenergie den Betrieb der Anlagen zu kostspielig macht. Dadurch rücken diese ins Visier vom Investoren, die darauf wetten, dass die Werke auf Grund der Schließung konventioneller Anlagen am Ende wieder gebraucht werden.

Ein Vorgeschmack darauf hatte es bereits im vergangenen Winter gegeben. Damals schossen die Strompreise hoch, als Kälte und Windstille sich mit zu dieser Jahreszeit nicht üblichen Reaktoraussetzungen in Deutschland und Frankreich überschnitten.

"Für Investoren geht es am Ende immer um das Thema notleidender Aktiva", sagt Analyst Johannes Wetzel von Wood Mackenzie in London in einem telefonischen Interview mit Bloomberg. "Falls etwas zu einem niedrigen Preis gekauft und über die Zeit zu Geld gemacht werden kann, dann kann es Sinn machen, diese Portfolios zu kaufen."

Blackstones GSO Capital Partners hatte Rijnmond, eine 2004 gebaute 790-Megawatt-Anlage, im April vergangenen Jahres für einen ungenannten Betrag erworben.

"Sie glauben, dass sie sich in den kommenden Wintern bezahlt macht, dass sie mit einem Gewinn betrieben werden kann", sagt Cyriel de Jong, ein Director beim Berater Kyos. "Es ist eine wirklich gute Wette, abhängig davon, was sie gezahlt haben.

Investoren sind interessiert

Blackstone ist längst nicht das einzige Unternehmen, das derartige Aktiva aufkauft. So erwarb beispielsweise der US-Stromhändler Castleton Commodities International LLC im vergangenen Monat ein Gaskraftwerk in Rotterdam. Die Firma bietet zudem für ein Portfolio an britischen Gas- und Kohle-Aktiva, das vom französischen Versorger Engie SA angeboten wird, wie Bloomberg im Mai aus informierten Kreisen erfahren hatte.

Der Reiz von Gas für die Stromerzeugung hatte sich in diesem Jahr auf Grund niedrigerer Preise verbessert, während Kohle teurer wurde. Die Profitabilität von niederländischen Gaskraftwerken im kommenden Jahr kletterte auf den höchsten Stand seit Dezember, am Freitag sprang sie über das Break-Even-Niveau, wie aus einem Maßstab hervorgeht, der als Spark-Spread bekannt ist.

RWE hatte zwei Werke in den Niederlanden bis 2019 vorübergehend stillgelegt und plant einen solchen Schritt für zwei weitere Anlage im kommenden Jahr. Die Kosten für die Stilllegung und die Größe der Werke sind wichtig, wenn es um die Erwägung geht, mit den Anlagen wieder in den Markt zu treten, heißt es von RWE.

"Es ist nicht wirtschaftlich die Kraftwerke zu betreiben, das ist unsere Sicht auf den Markt", sagt Lothar Lambertz, Sprecher von RWE. “Wenn wir Licht am Ende des Tunnels sehen, können wir unsere Meinung auch ändern, aber dafür ist es jetzt zu früh."