Vermögensverwalter erklärt „Big Data“ nur ein Hype ohne realwirtschaftlichen Effekt?

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Blick in einen Serverraum Foto: Manuel

Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement GmbH

Big Data ist in den letzten Jahren in aller Munde und wird als das bestimmende Thema der Zukunft dargestellt. Die Verknüpfung von verschiedensten Informationen aus allen erdenklichen Quellen soll zu massiven Veränderungen führen. Egal ob perfekt personalisierte Werbung, eine komplett neue Basis für Versicherungsprodukte oder meinungsmachende Wahlkampfroboter: Die schöne neue Datenwelt schickt sich angeblich an, alle Lebensbereiche zu durchdringen.

Eine aktuelle Studie von McKinsey zeigt aber, dass die meisten Unternehmen in den letzten fünf Jahren nur einen Bruchteil des Potenzials genutzt haben, das Big Data bietet. Auch im öffentlichen Sektor werden zum Beispiel in Europa bisher nur 10 bis 20 Prozent der Einsparmöglichkeiten genutzt. Ist das Big Data-Gerede also nur ein Hype, der kaum realwirtschaftlichen Effekt haben wird?

2-faches globales Datenvolumen alle 3 Jahre

Von der langsameren Entwicklung im Vergleich zu den Prognosen sollte man sich nicht täuschen lassen. Noch immer verdoppelt sich das global gesammelte Datenvolumen alle drei Jahre. Die Herausforderung, die bisher in vielen Bereichen noch nicht ausreichend gelöst wurde ist, die darin verborgenen wertvollen Erkenntnisse herauszufiltern und gewinnbringend einzusetzen.

Hier lassen Meldungen aufhorchen, wie die im März verkündete weltweite Kooperation vom Cloud-Spezialisten Salesforce und IT-Riesen IBM im Bereich Künstliche Intelligenz (KI). Entscheidungsprozesse von Unternehmen sollen durch Computer-Unterstützung effizienter werden. Dafür werden verschiedenste Daten, wie Wetterprognosen, branchenübergreifende Vergleiche oder historische Verkaufszahlen kombiniert und analysiert, um Kundenansprache oder Warensortiment möglichst effizient zu gestalten.

IBM schätzt, dass die gemeinsame KI-Lösung bereits in diesem Jahr eine Milliarde Menschen in den verschiedensten Bereichen vom Handel bis zum Gesundheitswesen erreichen wird. Lernende Maschinen könnten in den nächsten Jahren massiv die Arbeitswelt verändern. Laut der McKinsey Studie sind bis zu 45 Prozent der von Menschen gegen Lohn verrichteten Arbeiten durch immer intelligentere, sprachfähige Automaten ersetzbar.

Kombination mit Datenwolken bietet Chancen

Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte etwa in der Automobilindustrie zeigt, dass die Möglichkeiten zur Automatisierung früher oder später auch genutzt werden, wenn sie sich wirtschaftlich rechnen. Die Kombination von Künstlicher Intelligenz mit den immer größeren Datenwolken bieten hier enorme Möglichkeiten.

Für eine breit diversifizierte strategische Vermögensallokation erscheint es sinnvoll, die Chance von Cloud-Lösungen, Big-Data-Analyse und Künstlicher Intelligenz als Baustein zu nutzen. Anleger sollten sich aber auch der bereits hohen Bewertungen der Papiere aus diesem Bereich bewusst sein und Kursrücksetzer einkalkulieren.

Als langfristige Investition eignen sich Unternehmen, die sich bereits eine nachhaltig herausragende Marktposition erarbeitet haben und sich in eine gute Startposition für die Datenwelt von morgen gebracht haben.