Vermögensverwalter über Gold „Zum Jahresende steigt der Goldpreis in Richtung 1.400 US-Dollar“

Andreas Görler, senior Wealth Manager bei Wellinvest Pruschke Kalm

Andreas Görler, senior Wealth Manager bei Wellinvest Pruschke Kalm

DAS INVESTMENT.com: Der Goldpreis kommt aktuell nicht so wirklich vom Fleck. Seit dem Tief gegen Ende 2015 bei etwa 1.040 US-Dollar je Feinunze hat der Goldpreis innerhalb der folgenden sieben Monate kurzzeitig um 32 Prozent aufgewertet. Seitdem bewegt sich der Goldpreis mehr oder weniger seitwärts. Warum?

Andreas Görler: Man muss zunächst einen Blick auf die Akteure auf der Nachfrageseite werfen. Zwar ist die Nachfrage nach dem gelben Metall im Vergleich zum Vorjahr gestiegen und befindet sich auf einem Drei-Jahreshoch. Einziger Treiber war aber die Investmentnachfrage, die allein um 70 Prozent auf ein Vier-Jahreshoch zulegte. Hier waren es insbesondere ETF-Zuflüsse. Insbesondere die Schmucknachfrage sank um 15 Prozent.

Auch die Zentralbanken kauften weniger als im Vorjahr.

Auf Länderebene fiel insbesondere die Nachfrage aus Indien- und China mit minus 21 Prozent beziehungsweise minus 7 Prozent deutlich niedriger aus.

Man hat deshalb derzeit eine gegensätzliche Entwicklung von echter physischer Nachfrage und den eher spekulativen Käufen von Investmentprodukten wie ETFs.  

Viele Marktbeobachter machen die steigenden Zinsen in den USA für den tiefen Goldpreis verantwortlich. Andere halten diese Begründung für zu kurz gegriffen. Was meinen Sie dazu?

Görler: Man könnte es natürlich auch genau umgekehrt einstufen. Die steigenden Zinsen erzeugen einen Druck auf die Anlageklasse Anleihen und machen Substanzwerte, wie Aktien, Immobilien und eben auch Gold sowie andere Edelmetalle sogar attraktiver.

Aktuell haben wir ja in vielen Laufzeitbereichen in Europa negative Zinsen, so dass die Opportunitätskosten für das Aufbewahren von Gold sogar relativ niedrig sind. Das spräche auch dafür, dass man etwas mehr in Gold investiert.

Derzeit kann man aber beobachten, dass sich Unternehmensgewinne gut entwickelt haben, große Wirtschaftsräume ordentliches Wachstum aufweisen und auch keine echten Blasen erkennbar sind. Da wird eben auch in Substanzwerte investiert, die Erträge wie Dividenden oder Mieten erwirtschaften.