Anleihemärkte „Aktive Fondsmanager finden ideale Bedingungen vor“

Stephen Snowden, Head of Fixed Income bei Kames Capital: „Ich habe mir bereits im vergangenen Jahr eine Verkaufswelle an den Anleihemärkten gewünscht.“ | © Kames Capital

Stephen Snowden, Head of Fixed Income bei Kames Capital: „Ich habe mir bereits im vergangenen Jahr eine Verkaufswelle an den Anleihemärkten gewünscht.“ Foto: Kames Capital

In einem Marktkommentar vom Dezember vergangenen Jahres habe ich vermerkt, dass Deutschland sich um die Bildung einer Koalitionsregierung müht, Italien uns an die Macht des Populismus erinnern könnte und die Steuerreform in den USA keine Selbstverständlichkeit ist.

Inzwischen ist es Deutschland gelungen, eine Koalition zu bilden. Doch die Wahlen in Italien führten zu einer deutlichen Niederlage der gemäßigten Parteien und der Populismus lebte in der Tat wieder auf. In den USA könnte Donald Trumps Steuerreform die Finanzmärkte stützen, doch seine geplanten Importzölle auf Aluminium und Stahl haben potenziell einen Handelskrieg ausgelöst. Investoren sind weltweit beunruhigt.

Renditen von Staatsanleihen steigen

Im vergangenen Dezember, kurz vor Weihnachten, gab es tatsächlich nur eine Sache, die ich mir wirklich gewünscht habe: Eine Verkaufswelle an den Rentenmärkten. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Die Rentenmärkte sind seit Jahresbeginn volatil und bieten für aktive Manager ausgezeichnete Bedingungen.

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg sprunghaft von weniger als 2,50 Prozent auf den Höchstwert von 2,95 Prozent an, knapp unter das psychologisch wichtige Niveau von 3 Prozent. Auch wenn die Bewegung bei den Staatsanleihe-Renditen besonders einschneidend war, haben sich auch die Renditeabstände bei Unternehmensanleihen mit der neuerlichen Volatilität vergrößert. Für überzeugte Stock-Picker wie mich ist Volatilität die Eintrittskarte in Unternehmen, die mir gefallen.

Bottom-up-Analyse entscheidet über Erfolg

Eine Verkaufswelle erinnert Anleger immer an eine wichtige Lektion: Wirtschaftliche Fundamentaldaten sind bei der Titelauswahl von großer Bedeutung. Da es bei der Performance wieder eine größere Streuung gibt, werden diejenigen belohnt, die sich auf eine gründliche Bottom-up-Analyse konzentrieren. Bei anziehenden Kursen ist es leicht, Gewinne zu erzielen. Aktive Manager zeichnet hingegen die Fähigkeit aus, auch in turbulenten Märkten Rendite für ihre Kunden zu generieren.

In Phasen hoher Volatilität ist es wichtig, in den richtigen Bereichen zu investieren. Der Rentenmarkt stellt keine Einheit dar. Einige Bereiche können solide Renditen liefern, andere dagegen nicht. Hält man jedoch an einem flexiblen und globalen Ansatz fest, ist gewährleistet, dass aktive Manager bei einsetzender Volatilität die Chancen nutzen können.

Nicht alle Teile des Rentenmarkts bewegen sich synchron

Es hat den Anschein, dass Renditen bei Staatsanleihen allmählich steigen. Die Notenbanken lockern die geldpolitischen Zügel und die wirtschaftliche Lage verbessert sich weltweit. Die Gewinne werden jedoch nicht linear steigen. Da die Inflation noch einer soliden Basis entbehrt, sind die Zentralbanken bei der Zinsnormalisierung zurückhaltend. In der Tat werden einzelne Volkswirtschaften sich unterschiedlich entwickeln. Wenn man nach Relative-Value-Gelegenheiten sucht, ist daher eine globale Anlagestrategie ausschlaggebend.

Wir gehen davon aus, dass die Zinsmärkte sich weiter konsolidieren und eine solide Performance aufweisen. Sie werden vom makroökonomischen Umfeld und soliden Fundamentaldaten gestärkt. Dementsprechend erwarten wir bei den Renditespannen keinen signifikanten „Blow-out“, also einen Ausbruch nach oben. Dass die Renditespannen sich ohne große Rücksicht auf die Fundamentaldaten noch weiter einengen, ist unwahrscheinlich. Die Titelselektion wird für die Erzielung risikoadjustierter Renditen zunehmend entscheidend sein.