Blackrock-Rohstoffexperte Evy Hambro „Der Goldnachschub der Minengesellschaften hakt“

Mine „Gwalia“ in Australien: Im Jahr 2018 hat Gold sowohl Rücken- als auch Gegenwind | © St Barbara Limited

Mine „Gwalia“ in Australien: Im Jahr 2018 hat Gold sowohl Rücken- als auch Gegenwind Foto: St Barbara Limited

Evy Hambro, Fondsmanager des BlackRock Global Funds – World Mining Fund

Herr Hambro, der Goldpreis klebt derzeit an der Marke von 1.300 US-Dollar pro Feinunze. Was sind die Gründe?

Evy Hambro: Gold ist zwar gerade unter 1.300 US-Dollar pro Feinunze gesunken, doch insgesamt hat das Edelmetall in den vergangenen zwei Jahren sehr gut abgeschnitten. Zu Beginn des Jahres 2016 lag der Goldpreis noch unter 1.100 US-Dollar pro Feinunze – bis heute ist er also um rund 20 Prozent gestiegen. Im Jahr 2018 hatte Gold bisher sowohl Rücken- als auch Gegenwind. Die politische Unsicherheit unterstützte, doch die Stärke des US-Dollars im April und Mai hat den Preisauftrieb gehemmt.

Was würde dem Goldpreis kurz- oder mittelfristig Auftrieb verleihen?

Hambro: In der Regel sind die Realzinsen ein wichtiger Treiber für Gold. Realzinsen und Gold haben typischerweise eine starke entgegengesetzte Beziehung. Wenn die Inflation in diesem Jahr schneller steigt als die Zinsen, würde dies die Realzinsen drücken und wahrscheinlich dem Goldpreis auf die Sprünge helfen. Die Inflationstendenzen sind jedoch nicht ganz klar. Der Technologiesektor beispielsweise ist deflationär, der Rohstoffbereich jedoch inflationär. Sollte der US-Dollar aufgrund langsam steigender Zinsen schwächeln, würde Gold Rückenwind erhalten. Geopolitische Unsicherheiten oder eine erhöhte Volatilität an den globalen Aktienmärkten dürfte die Nachfrage nach Gold ebenfalls steigern.

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Wie ist es um die globalen Goldreserven bestellt?

Hambro: Ich definiere Goldreserven als Vorräte, die Minengesellschaften in der Erde vorhalten, aber noch nicht wirtschaftlich nutzen. In den vergangenen Jahren haben viele Goldunternehmen Unzen in die Produktion gebracht, ohne sie zu ersetzen. Dieses Vorgehen ist nicht nachhaltig. In unseren Portfolios konzentrieren wir uns deshalb auf Unternehmen, die Reserven entweder durch Minenkäufe oder durch erfolgreiche Explorationen ersetzen.

Welche Assets könnten Gold ersetzen?

Hambro: Gold wird seit Tausenden von Jahren als wertvoll angesehen. Das wird sich kurzfristig nicht ändern. Mit dem Aufstieg der Kryptowährungen stellt sich jedoch die Frage, ob Gold Konkurrenz bekommt. Aus meiner Sicht gibt es jedoch genügend Unterschiede zwischen den Assets. Gold sehen Anleger in der Regel als sicheren Hafen – ganz anders als Kryptos, die sehr volatil sind. Bitcoins haben in diesem Jahr in US-Dollar gerechnet 50 Prozent an Wert verloren. Gold ist zudem – anders als Kryptos – greifbar, weist eine geringe Korrelation mit den globalen Aktienmärkten auf, dient schon lange dem Kapitalerhalt und wird industriell genutzt.

Welche Rolle spielt Gold in den Anlagestrategien von Blackrock?

Hambro: Wir investieren in Goldaktien statt in physisches Gold. Mindestens 70 Prozent unserer Portfolios müssen in Goldaktien investiert sein, der Rest hauptsächlich in andere Edelmetalle. In unseren Bergbau- und breiten Rohstoffportfolios ist unsere Gold-Aktienallokation taktisch. Investitionsentscheidungen werden anhand der Entwicklung des globalen Wirtschaftswachstums, politischen Unsicherheiten und Bewertungen getroffen.

Wie sieht eigentlich das Potenzial von Silber gegenüber Gold aus?

Hambro: Silber bewegt sich meist in die gleiche Richtung wie Gold. Unser Standpunkt zu Silber entspricht daher tendenziell unserer Meinung zu Gold. Allerdings folgt Silber etwas stärker als Gold dem Konjunkturzyklus, da es aufgrund seiner viel geringeren Kosten auch industriell genutzt wird.