Geldpolitik US-Zinsen setzen Seitwärtsbewegung fort

Ölarbeiter in Texas: Dank boomender Wirtschaft steigen in den USA Inflation und kurzfristige Zinsen | © Getty Images

Ölarbeiter in Texas: Dank boomender Wirtschaft steigen in den USA Inflation und kurzfristige Zinsen Foto: Getty Images

Die Inflation steigt seit Mitte 2017 deutlich und die Geldpolitik wird allmählich straffer. Trotz dieser Entwicklung dürften sich die US-Zinsen weiterhin seitwärts bewegen. Dieser Meinung ist Thomas Hollenberg, Anleihenanalyst bei Capital Group. Der Experte rechnet damit, dass der Preisindex für die Konsumausgaben in diesem Jahr um fast zwei Prozent steigen wird. Das würde genau dem Wert entsprechen, den die amerikanische Zentralbank Fed beim so genannten PCE-Kernindex bevorzugt, der die US-Konsumentenpreise misst. „Damit dürfte die Fed die nötigen Argumente für drei Zinsschritte in diesem Jahr haben, falls nicht andere Faktoren den Arbeitsmarkt oder das Wachstum einbrechen lassen“, so der Analyst. Im März war bereits der erste der drei geplanten Erhöhungen des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte erfolgt.

Andere Notenbanken ziehen nach

Auch weltweit prognostiziert der Experte eine weniger expansive Geldpolitik. Hintergrund hierfür sei die weltweit bessere Konjunktur und die gestiegene Inflation. Bereits Ende 2017 und Anfang 2018 sind andere Notenbanken dem Beispiel der Verringerung der Bilanzsumme durch die Fed gefolgt. So gab die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt, dass sie ihr Programm der geldpolitischen Lockerung in diesem Jahr halbieren möchte. Zudem gibt es Gerüchte darüber, dass das Programm im September oder Dezember vollständig beendet werden könnte. Da das Quantitative Easing der EZB große Anleihenkäufe bedeutet habe, könnte sein Ende laut Hollenberg einen deutlichen Anstieg der Renditen zur Folge haben – sowohl im Euroraum als auch weltweit. Nach Ansicht der Anleihenexperten bei Capital Group wird die Fed im zweiten Quartal 2018 die quantitative Straffung der Geldpolitik beschleunigen, sodass das Angebot zunehmen werde. „Wenn mehr US-amerikanische Staatsanleihen begeben werden und die Fed die Geldpolitik weiter strafft, könnte dies länger laufende Titel unter Druck setzen“, so die Experten. Angesichts niedrig scheinender Laufzeitprämien könnte sich den Experten zufolge eine leicht unterdurchschnittliche Duration und eine zu einer erwarteten Versteilung der Zinsstrukturkurve passende Positionierung für Core-Anleihenportfolios anbieten.

Marktvolatilität dürfte steigen

„Da die Phase der experimentellen Geldpolitik allmählich zu Ende geht, beginnen die Renditen weltweit zu steigen“, sagt Hollenberg. „Der wahrscheinlichste Fall ist aus meiner Sicht, dass die Kurzfristzinsen, also die Renditen bis zu etwa zwei Jahren, allmählich steigen, sofern es keinen größeren Schock für das Finanzsystem gibt.“ Ausgehend von einem moderaten Lohn- und Inflationsanstieg rechnet der Analyst mit einer Seitwärtsbewegung der Zehnjahresrendite in den USA, wobei deren Entwicklung längerfristig weniger eindeutig sei. „Viele Anleihenkäufer – Pensionsfondsmanager, Lebensversicherungen und Staatsfonds – könnten höhere Renditen als eine Gelegenheit für Zukäufe ansehen“, sagt Hollenberg. Obwohl die Verringerung der Fed-Bilanzsumme bislang nicht für große Unruhen gesorgt hat, hätten die Notenbanken weltweit mit der Abwicklung der extrem lockeren Geldpolitik begonnen, mit der Folge strafferer Rahmen. Dem Analysten zufolge ist mit einer anhaltend hohen Marktvolatilität zu rechnen: „Mit dem Ende der extrem lockeren Finanzbedingungen weltweit entfällt ein wesentlicher Faktor, der die Volatilität bislang gedämpft hat.“

Weitere aktuelle Einschätzung von Capital Group rund um die Auswirkungen einer strafferen Geldpolitik finden Sie in dem angehängten Paper „US-Zinsen weiter seitwärts“.