Healthy Living Laborfleisch: Von der Petrischale in den Supermarkt

Vegetarische Metzgerei in Berlin: Der Trend geht zum Fleischersatz | © Getty Images

Vegetarische Metzgerei in Berlin: Der Trend geht zum Fleischersatz Foto: Getty Images

The Vegetarian Butcher ist in den Niederlanden und einer zunehmenden Zahl weiterer europäischer Länder eine echte Erfolgsgeschichte. Das Unternehmen verkauft alle Arten von Fleischersatzprodukten: von vegetarischen Geflügelkeulen und Würstchen bis hin zu fischfreiem Thunfisch und Garnelen. 2010 wurde der erste Shop in Den Haag eröffnet. Mittlerweile werden die Produkte von The Vegetarian Butcher in mehreren hundert niederländischen Supermärkten verkauft und es gibt Verkaufsstellen in Portugal, Spanien, der Schweiz, Deutschland und sogar in Südkorea. Der Erfolg der Geschäftsidee zeigt, dass viele Menschen den Geschmack von Fleisch bevorzugen, sich aber gerne mit einem Ersatz zufrieden geben. Vor allem, wenn bei dem Ersatzprodukt keine Tiere leiden müssen und die Umwelt weniger beeinträchtigt wird.

Ein neues Ersatzprodukt für Veggie-Fleisch

Es gibt verschiedene Gründe, warum Vegetarier Fleisch von ihrer Nahrungsliste streichen. Oft ist es die mit der Fleischproduktion zwangsläufig einhergehende Tierquälerei. Hinzu kommt, dass die Fleischindustrie enormen Druck auf die Umwelt ausübt. Der Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen zufolge sind der Landwirtschaft 18 Prozent des gesamten Treibhausgasausstosses weltweit zuzuschreiben. Das ist mehr als der gesamte Transportsektor. Es ist gut möglich, dass die Kunden von The Vegetarian Butcher in ein paar Jahren echtes Fleisch essen können. Im Gegensatz zu dem Fleisch, wie wir es kennen und das von großen Landwirtschaftsbetrieben stammt, wird das „neue“ Fleisch im Labor gezüchtet.

"Gesunde Ernährung boomt. Wir achten viel mehr darauf, was auf unseren Teller kommt."

Ein Burger für 300.000 Euro

Vor fünf Jahren stellte Professor Mark Post von der Universität Maastricht den ersten Hamburger aus Laborfleisch vor. Die Experten mochten zwar den Geschmack des Burgers, aber der Preis von über 300.000 Euro schmeckte ihnen weniger. Wenngleich die Technologie für den Herstellungsprozess schnelle Fortschritte macht, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis wir einen McLab im Fast-Food-Restaurant bestellen können. „Gut schmeckendes Fleisch im Labor zu züchten, ist nur eine Sache“, so Marie-Laure Schaufelberger, Produktspezialistin für den Pictet-Nutrition Fund: „Die große Herausforderung wird in der Nachbildung der Struktur bestehen. Deshalb müssen wir auf ein vegetarisches Hähnchen oder Rib-Eye-Steak wohl noch ein Weilchen warten.“

Schon bald im Supermarkt um die Ecke?

Der erste von Professor Post im Labor gezüchtete Burger bestand aus 20.000 winzigen Fleischstücken mit einer Länge von gerade mal 2 Millimetern. Sie wurden in kleinen Petrischalen aus Stammzellen gezüchtet, die zwei Kühen (schmerzfrei) entnommen wurden. Die Herstellung des Burgers dauerte drei Monate. „Andere Arten von Fleisch lassen sich weniger aufwändig herstellen“, so Schaufelberger. „Einige Unternehmen wollen bis Ende dieses Jahres oder 2019 Laborfleisch in die Supermarktregale bringen.“

Ernährung längst kein Stiefkind mehr

Ob Laborfleisch diejenigen unter uns, die aus moralischen Gründen Vegetarier geworden sind, davon überzeugen kann, wieder auf Fleisch umzusteigen, bleibt abzuwarten. Viel wichtiger ist die Frage, inwieweit vor allem rotes Fleisch Teil einer gesunden Ernährung sein kann. „Diese Diskussionen machen deutlich, dass wir sehr viel stärker darauf achten, was auf unseren Teller kommt“, so Schaufelberger. „Heute ist es ganz normal, dass man einen kritischen Blick auf die Verpackungsangaben wirft, um sich über die Inhaltsstoffe zu informieren. Ernährung ist ein Thema, das uns weiter beschäftigen wird – sowohl in der Wissenschaft als auch in der Finanzwelt.“

Dieser Beitrag gehört zu einer Artikelreihe, die sich mit Themen rund um „Healthy Living“ befasst – zugrunde liegen hier vier aktiv verwaltete globale Aktienfonds von Pictet Asset Management.

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