Immobilienspezialist von Invesco Real Estate „Kurzfristig haben die USA, langfristig vor allem Asien Potenzial“

Robert Stolfo ist Managing Director bei Invesco Real Estate | © Sebastian Widmann

Robert Stolfo ist Managing Director bei Invesco Real Estate Foto: Sebastian Widmann

Herr Stolfo, was ist Ihre strategische Ausgangsbasis für eine globale Asset Allocation?

Robert Stolfo: Wir empfehlen, sich die wirtschaftlichen Gewichte anzuschauen – nicht unbedingt Stand heute, sondern beispielsweise die Prognosen für 2020 oder 2030.

Was ergibt sich aus diesem Ansatz?

Stolfo: Das wirtschaftliche Gewicht der USA sinkt, das von Asien steigt. Kurzfristig ergibt es jedoch mehr Sinn, die USA überzugewichten. Noch läuft die Wirtschaft gut, und die vom neuen Präsidenten Trump angekündigten Wirtschaftsprogramme könnten weitere Stimuli verleihen. Auch wenn in den kommenden Jahren die Zinsen weiter steigen und Druck auf die Anfangsrenditen ausüben dürften.

Wohin geht’s in Asien?

Stolfo: In die großen Metropolen, aber auch nach Australien. Wachstum sehen wir insbesondere in Sydney und Melbourne, aber auch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Dabei gewichten wir Einzelhandel und Logistik derzeit über.

Und der Bürosektor?

Stolfo: In China und Japan hat die wirtschaftliche Dynamik nachgelassen. Der Bürosektor ist davon als Erstes betroffen, und das Mietwachstum ist nur moderat. In diesem Sektor gehen wir selektiv vor.

Was packen Sie mir in mein Europa-Portfolio?

Stolfo: Wir tun uns schwer, spezielle Sektoren überzugewichten. Geografisch gesehen ist Deutschland sicherlich ein stabiler Markt. In Großbritannien hat zwar der Brexit und dessen mögliche Konsequenzen Unsicherheit erzeugt, die unserer Ansicht nach allerdings auch zu ausgewählten Kaufgelegenheiten führen könnte. sAuch Spanien hat Potenzial: Im November 2016 wurde eine neue Regierung gefunden das Verbrauchervertrauen steigt, die Arbeitslosenquote ist in einigen Regionen im Norden niedrig. Wir rechnen in Madrid und Barcelona mit steigenden Mieten im Bürosektor. Vor allem in Madrid sind die Mieten massiv gefallen, und es wurde fast nichts Neues entwickelt. Die Nachfrage steigt, während das Angebot stillsteht.

Und Spezialimmobilien wie Hotels oder andere Alternativen?

Stolfo: Wir sehen in den Bereichen rund um das Thema „Betten“ in Europa interessante Möglichkeiten. Dies sind etwa Hotels oder auch studentisches Wohnen. Beide Themen sind im Bereich der „Alternativen“ stark von Investoren nachgefragt, wobei vor allem Hotels schon länger institutionell etabliert sind und im Kontext des aktuellen Marktumfelds und sehr niedriger Spitzenrenditen verhältnismäßig stabile, attraktive Erträge erlauben dürften.