Mit Trump siegt die Irrationalität über die Realität Gold-Experte Foster: Wie es zum Goldpreis-Einbruch kam und warum es bald aufwärts geht

Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds bei Van-Eck

Joe Foster, Portfoliomanager und Stratege für die Gold-Fonds bei Van-Eck

Nach den US-Präsidentschaftswahlen sind die Märkte in den Fantasy-Modus übergegangen. Die US-Aktien erreichten neue historische Höchstnotierungen, der US-Dollar befindet sich im Höhenflug, der Kupferpreis schnellte nach oben, die Zinsen sind deutlich höher, und Gold stürzte ab. Diese ganzen starken Kursbewegungen legen nahe, dass der Markt gerade ein perfektes Szenario einpreist, in dem die von Trump geplanten Steuersenkungen und Regulierungsreformen ein robustes Wirtschaftswachstum in Gang setzen, das der Federal Reserve (kurz Fed) eine Normalisierung der Zinsen ermöglicht. Diese Aussichten schaden Safe-Haven-Anlagen wie Gold und Anleihen. Obwohl wir auf eine solche Entwicklung hoffen, wird sie in der Realität nur sehr schwer zu erreichen, wenn nicht gar unmöglich sein.

Unerwartet positive Marktreaktion auf Trump, Gold steht unter Druck und fällt ab

Wir kennen niemanden, der eine solche Reaktion des Marktes auf einen Sieg von Trump vorausgesehen hätte. Wir waren davon ausgegangen, dass sich ein Trump-Sieg für Gold positiv auswirken würde, und als die Nachrichtenredaktionen den Wahlsieger verkündeten, stieg Gold tatsächlich etwa eine Stunde lang um 50 US-Dollar pro Unze. Allerdings vollzog der Trend bei Gold wie auch auf den anderen Märkten schon bald eine Kehrtwende. Die Rückgaben von mit physischem Gold besicherten börsengehandelten Produkten (Exchange Trade Products, ETPs) begannen am Tag nach der Wahl und hielten bis zum Monatsende an. Der Verkaufsdruck führte dazu, dass Gold unter wichtige technische Marken fiel. Im Verlauf des Monats sank der Goldpreis um 104,05 Dollar (8,2 Prozent) auf 1.173,25 Dollar pro Unze.

Die Goldaktien orientierten sich am physischen Gold, so ging der NYSE Arca Gold Miners Index (GDMNTR) um 14,9 Prozent und der MVIS Global Junior Gold Miners Index (MVGDXJTR) um 15,1 Prozent zurück. Im Jahresverlauf betrachtet, passten sich die Gesamterrträge bei physischem Gold auf 10,5 Prozent, beim GDMNTR auf 52,9 Prozent und beim MVGDXJTR auf 78,8 Prozent nach unten an.

Auch wenn die niedrigeren Goldpreise des vierten Quartals die Gewinne vieler Bergbauunternehmen drosseln dürften, ist die Branche weiterhin grundsolide. Die Ergebnisse des dritten Quartals fielen positiv aus, zumal aus dem Goldaktien-Universum der Scotiabank verlautete, dass die Produktion die Erwartungen um 2 Prozent übertrifft und die Gesamtförderkosten (All-In Sustaining Costs) um 5 Prozent niedriger als veranschlagt ausfielen. Der Bärenmarkt zwang die Branche, sich angesichts der niedrigeren Goldpreise neu zu positionieren. Bei All-In Sustaining Costs von durchschnittlich zirka 900 Dollar pro Unze sind die Unternehmen gut aufgestellt, um den aktuellen Abwärtstrend bei den Goldpreisen zu überstehen.