Schwächere Ertragsaussichten für Multi-Asset „Die ‚Beruhigungspillen‘ der EZB sind nahezu aufgebraucht“

Karen Watkin, Portfolio Managerin, All Market Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB): „Die Märkte haben es sich mit der von der Zentralbank bereitgestellten Liquidität bequem gemacht.“   | © AllianceBernstein

Karen Watkin, Portfolio Managerin, All Market Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB): „Die Märkte haben es sich mit der von der Zentralbank bereitgestellten Liquidität bequem gemacht.“ Foto: AllianceBernstein

Prognosen zeigen, dass ein Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen in den nächsten 10 Jahren nur 4 Prozent verdienen wird, verglichen mit einem Ertrag von 8,4 Prozent in den letzten fünf Jahren. Ein konservativeres Portfolio mit 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen dürfte nur um 2,8 Prozent wachsen, was lediglich der Hälfte des Ertrags von 5,6 Prozent der letzten fünf Jahre entspricht.

Warum solch ein dramatischer Rückgang? Weil die „Beruhigungspillen“ der EZB nahezu aufgebraucht sind. Anleiheaufkäufe sollen Ende des Jahres beendet werden und aller Voraussicht nach steht die erste Zinserhöhung seit 2011 ab Mitte 2019 bevor. Die Märkte haben es sich mit der von der Zentralbank bereitgestellten Liquidität bequem gemacht. Nun allerdings werden sie sicherlich erheblich volatiler werden, wie bereits Anfang 2018, als sich Anleger mit Sorgen um mögliche Handelskriege, finanzpolitische Entscheidungen und geopolitische Risiken herumschlagen mussten.

Drei entscheidende Trends ändern die Richtung

Ein Ansteigen der Inflation könnte ebenfalls zu nervöseren Börsen und neuen Herausforderungen für Anleger führen, was angesichts eines Inflationsrückgangs jüngst im April zunächst überzogen klingen mag. Allerdings könnten drei strukturelle Trends, die bisher die Preise in Schach gehalten haben, nun genau das Gegenteil bewirken: Die globale Arbeitsbevölkerung schrumpft, die Globalisierung ist auf dem Rückzug, und die Schulden steigen wieder, weil die Austerität der Staaten nach der großen Krise vorbei ist, und die Konsolidierung des Privatsektors ebenso ausläuft. Einige Regierungen könnten sogar versucht sein, nun die Schulden per Inflation in den Griff zu bekommen.

Und eine letzte wichtige Herausforderung besteht: In einer Welt steigender Zinsen und Inflation bewegen sich einkommensorientierte Anleger weiterhin in einem relativ renditearmen Umfeld. Vor der globalen Finanzkrise erbrachten fast alle soliden Anleihen, sogar US-Treasuries, mehr als vier Prozent. Heute kann man solche Renditen nur noch in weitaus riskanteren Papieren finden, wie etwa in den Schwellenländern und in US-Anleihen niedrigerer Bonität. Hinzu kommt, dass der Kreditzyklus schon weit fortgeschritten ist. Keine komfortable Lage also.

Agilität und Flexibilität sind entscheidend

Was sollten Anleger nun tun? Der erste Schritt besteht darin, nach neuen und unkorrelierten Quellen für Zusatzerträge zu suchen. Dies bedeutet, dass das Anlageuniversum erweitert wird, um Vermögenswerte wie REITs (Real Estate Investment Trusts) und Master Limited Partnerships (MLPs) einzubeziehen. Die selektive Anlage in diese Anlageklassen kann eine attraktive Einnahmequelle sein, die auf dem Engagement in realen Vermögenswerten basiert, anstatt dem Auf und Ab der Anleihen- oder Aktienmärkte ausgesetzt zu sein. Sie können auch als potenzielle Inflationsabsicherung dienen. Experten sehen darüber hinaus Chancen in ausgewählten Schwellenländeranleihen, die das Depot auch geografisch diversifizieren. Schließlich können Optionsüberschreibungsstrategien den Anlegern helfen, zusätzliches Einkommen zu erzielen, auch wenn sie ein gewisses Engagement in Aktien mit sich bringen.

Vor allem aber müssen Investoren agil und flexibel sein. Das für Aktien und Anleihen fast konstant günstige Anlageumfeld der vergangenen Jahre ist Geschichte. Und da die wichtigsten Zentralbanken der Welt die Zügel in unterschiedlichem Tempo anziehen, werden die Anleger zum ersten Mal seit mehreren Jahren auch mit den Auswirkungen einer regional unterschiedlichen Geldpolitik zu kämpfen haben. Anleger müssen mehr denn je wachsam sein. Sie müssen analysieren, ob die Risikoausschläge anhalten und zu einer länger anhaltenden Baisse führen könnten, oder ob diese Phänomene nur vorübergehender Natur sind. Zudem müssen sich Investoren vor einer Inflation schützen und in den verschiedensten Sektoren nach Vermögenswerten suchen, die ihnen helfen, ihre Anlageziele zu erreichen.

Strategie des Vergessens ist veraltet

Mit anderen Worten war das Zeitalter von "Lege es an und vergiss es" zwar angenehm, aber ist jetzt vorbei. Anleger müssen stattdessen ihre Allokationen ständig überprüfen und neue Möglichkeiten suchen. Dies ist am besten mit einem diversifizierten Multi-Asset-Fonds möglich, der auf den Kapitalmärkten nicht nur Einkommen und Wachstum sichern, sondern in schwierigen Marktphasen auch Schutz für das Vermögen bieten kann.

In den letzten paar Jahren haben viele Anleger vergessen, wie es ist, durch unruhige See zu navigieren. Einige Boote tanzen auf den Wellen, andere erleiden Schiffbruch. Aber der Markt wird uns daran erinnern.