Danske Invest zu IT-Aktien Wann flaut der Gegenwind ab?

Marc Homsy, Leiter Anlagenvertrieb Deutschland bei Danske Invest: „Für IT-Anleger besteht kein Grund zur Angst vor einer neuen Dotcom-Blase.“

Marc Homsy, Leiter Anlagenvertrieb Deutschland bei Danske Invest: „Für IT-Anleger besteht kein Grund zur Angst vor einer neuen Dotcom-Blase.“

Der vergangene Monat bereitete Anlegern, die IT-Aktien im Portfolio halten, kein Vergnügen. In den fünf vorangegangenen Jahren erzielte der IT-Sektor auf Branchenebene die höchste Rendite. Auch 2018 begann er zunächst stark, doch seither mussten Anleger miterleben, wie die seit Jahresbeginn erzielte Rendite in kurzer Zeit wieder erodierte. Was passiert hier? Und ist damit zu rechnen, dass sich die heftige Korrektur dieser Titel fortsetzt?

Zwei Ursachen sind unserer Ansicht nach hauptverantwortlich für die Kursrückgänge:

Erstens wurden mehrere Unternehmen der vielbeachteten FAANG-Gruppe (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google) durch unabhängige Schwierigkeiten beeinträchtigt. Facebook und Google litten unter wachsenden Sorgen und der öffentlichen Kritik über den Umgang mit ihren Kundeninformationen, ausgelöst durch den Missbrauch der Daten von Millionen Facebook-Nutzern während des US-Wahlkampfs im Jahr 2016. Im Gegensatz dazu wurde Amazon von Donald Trump mit harten Äußerungen über angeblich schmutzige Geschäftsmethoden attackiert.

Außerdem waren Uber und Tesla vor Kurzem in tödliche Unfälle mit selbstfahrenden Autos verwickelt. Das hat zu steigender Skepsis über den Einsatz von künstlicher Intelligenz, Automatisierung und Nutzerdaten geführt, die sonst zu den Grundpfeilern für künftiges Gewinnwachstum im boomenden IT-Sektor zählen. Die Folge könnte eine strengere Regulierung sein, zum Beispiel wie IT-Unternehmen künftig Daten über ihre Nutzer kommerziell sammeln und verwenden dürfen – und dies hat den Sektor großflächig getroffen.

Wenige Giganten dominieren

Zweitens ist die IT-Branche einer der am stärksten übergewichteten Sektoren überhaupt. Im Takt mit den Kursanstiegen der letzten Jahre haben immer mehr Anleger in die zugehörigen Aktien investiert. Vor allem eine kleine Handvoll der größten Unternehmen ist in vielen Anlegerportfolios stark gewichtet. Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google machen beispielsweise etwa 15 Prozent des Marktwerts des gesamten US-amerikanischen S&P 500 Index aus. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass der Sektor als Ganzes einen Ausverkauf erlebt, wenn eine kleine – aber wichtige – Anzahl von Unternehmen mit Schwierigkeiten konfrontiert wird. Klar ist: Mit Blick auf die Rendite, die der Sektor 2017 erzielt hat (40 Prozent in Lokalwährung), halten viele Anleger ihren Finger am Abzug und sind dazu bereit, Gewinne mitzunehmen, wenn auch nur die geringste Unsicherheit droht.

Trotzdem besteht für IT-Anleger kein Grund zur Angst vor einer neuen Dotcom-Blase. Der Sektor hat sich seit der Jahrtausendwende stark weiterentwickelt und ist heute von allen Branchen am wenigsten verschuldet. Gleichzeitig haben die Unternehmen hohe Barbestände, die für Aktienrückkäufe und Dividendenausschüttungen genutzt werden.

Keine Angst vor Regulierung

Rückt eine strengere Regulierung wirklich auf die politische Agenda, wird es kurzfristig natürlich zu Unsicherheiten kommen. Doch sie wird kaum die Geschäftsmodelle von Unternehmen wie Facebook torpedieren. Digitalisierung und die Möglichkeiten, die uns die Produkte der IT-Gesellschaften als Verbraucher bieten, werden weiterhin Bestand haben, und vielen IT-Unternehmen bieten sich derzeit stark steigende Ertragsaussichten.

Fokus auf die Zahlen für das erste Quartal

Das Gewinnwachstum im IT-Sektor ist hoch, und von der bevorstehenden Berichtssaison wird allgemein erwartet, dass die Unternehmen sich erneut bei den Ergebnissen übertreffen. IT-Unternehmen verdienen tatsächlich viel Geld – im Gegensatz zum Beginn des Jahrtausends, als jedes verheißungsvolle Geschäftsmodell von der Börse blauäugig mit Phantasie-Bewertungen honoriert wurde.

Wenn die IT-Unternehmen in der kommenden Berichtssaison die Gewinnerwartungen erfüllen, gehen wir davon aus, dass dies die Mischung aus schlechten Nachrichten überschatten wird, die das Bild in letzter Zeit dominiert haben. Gleichzeitig würden satte Gewinne die hohen Bewertungen von IT-Aktien insgesamt rechtfertigen. Daher halten wir an unserer Übergewichtung im IT-Sektor fest, da unserer Meinung nach die fundamentalen Faktoren weiterhin stimmen, damit der Sektor auch zukünftig zufriedenstellende Renditen erzielen kann.

Vor allem die Ergebnisse der FAANG-Unternehmen für das erste Quartal werden mit großer Spannung erwartet. Netflix hat seine Ergebnisse bereits am 16. April veröffentlicht, Google (Alphabet) folgt am 23. April, Facebook am 25. April, Amazon am 26. April und Apple am 1. Mai.