Kames Capital „Bei zyklischen Aktien unbedingt nach Schnäppchen suchen“

Sale in New York: An den Aktienmärkten führte der jüngste Ausverkauf zu einer Bereinigung spekulativer Exzesse. | © Getty Images

Sale in New York: An den Aktienmärkten führte der jüngste Ausverkauf zu einer Bereinigung spekulativer Exzesse. Foto: Getty Images

Neil Goddin, Kames Capital

In der aktuellen Phase des Marktzyklus sind die Kursgewinne bei hochwertigen defensiven Aktien angesichts ständig neuer Rekordstände bei vielen Indizes weitgehend ausgereizt. Der jüngste Ausverkauf führte zu einer Bereinigung spekulativer Exzesse.

Rund um den Globus haben vor allem günstig bewertete zyklische Aktien stark unter der Korrektur gelitten. „Daher sind derzeit wahre Schnäppchen an den Aktienmärkten verfügbar“, sagt Neil Goddin, Head of Equity Quantitative Analysis bei Kames Capital. Die Wertpapiere legen zu, wenn die Wirtschaft wächst. In der Endphase eines Bullenmarktes übertreffen sie in der Regel den Gesamtmarkt.

Rückkehr auf Höchststände wahrscheinlich

Für Goddin sind an den Aktienmärkten aktuell folgende drei Szenarien denkbar: „Entweder läuft die Börse weiter wie bisher mit durchschnittlichen aber wenig inspirierenden Wachstumsraten der Bruttoinlandsprodukte, oder es kommt erneut zu einem Taucher, oder die Märkte kehren auf die Höchststände von vor der Korrektur zurück. Wir halten das dritte Szenario für das wahrscheinlichste, vor allem angesichts der jüngsten Kurskorrekturen. In diesem Umfeld müssen sich Anleger auf der Suche nach Ertrag auf zyklische Unternehmen konzentrieren.“

Goddin hat nach eigenen Angaben kürzlich bei zyklischen Unternehmen Gewinne mitgenommen und diese in günstiger bewertete Zykliker investiert, die angesichts der jüngsten Kursschwankungen geradezu verschleudert werden. „Die Kurse dieser ‚billigen‘ zyklischen Werte sind deutlich gesunken. Jetzt könnte eine starke Aufwärtsentwicklung folgen, da Anleger auf Jagd nach den seltenen Schnäppchen sind“, sagt der Investment-Experte.

Wachstumsraten noch nicht eingepreist

Unter anderem hat Goddin sein Engagement beim chinesischen Bauunternehmen LonKing, beim kanadischen Holzprodukt-Hersteller Canfor und bei Nippon Light Metal ausgeweitet. „Angesichts der aktuellen Phase des Konjunkturzyklus erscheinen uns einige dieser Unternehmen attraktiv bewertet. Zum Teil spiegeln sich die wahren Wachstumsraten noch nicht in den Aktienkursen wider“, erklärt Goddin. Die Schwierigkeit bei diesen Aktien bestehe darin, die angemessene Haltedauer zu erkennen.

Um defensive Marktbereiche wie Telekommunikation und Versorger macht Goddin einen weiten Bogen. Wir haben uns von manchen Anlagen getrennt, die als sicherer Hafen gelten, und sind daher in den Sektoren Verbrauchsgüter, Versorger und Telekommunikation nicht mehr präsent.“

Mit Blick auf die Zukunft fügt Goddin hinzu, dass der aktuelle Bullenmarkt noch nicht zu Ende sei, da die Bewertungen noch weit von früheren Blasen entfernt seien. „Die aktuellen Bewertungsniveaus entsprechen bildlich gesprochen wohl etwa den letzten zehn Minuten Spielzeit im Fußball. Aber das Niveau wie beispielsweise damals bei der Dotcom-Blase ist noch nicht erreicht“, betont der Aktienexperte.