Lost in Luxemburg Wenn ein Verwaltungsakt die Fondshistorie verschwinden lässt

M&G-Manager Juan Nevado | © Piotr Banczerowski

M&G-Manager Juan Nevado Foto: Piotr Banczerowski

Hoppla, wo ist er denn? Das werden sich im vergangenen Monat wohl so einige Leser von DAS INVESTMENT gefragt haben, als sie in der Rubrik „Der große Fondsvergleich“ nach dem M&G Dynamic Allocation (ISIN: LU1582988058) suchten. Denn als einer von 100 Fonds-Klassikern ist der 2009 aufgelegte, von Juan Nevado und seinem Multi-Asset-Team in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gemanagte Strategiefonds in den Vergleichstabellen gesetzt und lässt sich über die Liste der Stammspieler  innerhalb von Sekunden finden. Normalerweise zumindest, denn seit der Mai-Ausgabe von DAS INVESTMENT fehlte er.

Grund ist der im März vollzogene Umzug des Fonds von London nach Luxemburg. Damit reagierte M&G auf den geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU. Denn je nachdem, welches Ergebnis am Ende bei den Brexit-Verhandlungen herauskommt, drohen kontinentaleuropäischen Anteilseignern eines britischen Investmentprodukts unter Umständen Nachteile. Nicht so beim Standort Luxemburg. Ein dort in der Rechtsform einer Sicav – das Kürzel steht im Französischen für Aktiengesellschaft mit variablem Kapital – aufgelegter Investmentfonds bleibt jederzeit in jedem anderen EU-Land frei zugänglich.

An der von Nevado verfolgten Anlagepolitik ändert sich durch den Umzug nichts. Er mischt nach wie vor Aktien, Anleihen und andere Vermögenswerte. Abgesehen von den jeweiligen Obergrenzen (60, 80 beziehungsweise 20 Prozent) und einer Mindest-Aktienquote von 20 Prozent agiert er dabei äußerst flexibel und konzentriert sich auf Papiere, die der Markt unter ihrem fairen Wert handelt. Dabei strebt Nevado eine durchschnittliche jährliche Rendite von 5 bis 10 Prozent an und hat das erklärte Ziel, keinen einzigen Drei-Jahres-Zeitraum mit Verlust abzuschließen. Was im jüngsten Drei-Jahres-Vergleich (April 2015 bis April 2018) einmal mehr gelang, auch wenn die Rendite mit 3,3 Prozent derzeit hinter den selbst gesteckten Erwartungen hinterherhinkt.

Zu sehen war jedoch von alldem wochenlang nichts: Offiziell gilt der Luxemburger M&G Dynamic Allocation nämlich als Neugründung, dessen Leben am 16. Januar 2018 begonnen hat. Erst nach und nach haben einschlägige Datenbanken wie FWW und Morningstar die historischen Daten der britischen Anteilsklasse dem Klassiker neu hinzugefügt, sodass längerfristige Vergleiche wieder möglich werden. Leider nicht rechtzeitig genug, um den M&G Dynamic Allocation schon in dieser Ausgabe in die Reihe der 100 Fondsklassiker zurückkehren zu lassen.

Dieselbe Hängepartie droht in Kürze zwei weiteren prominenten M&G-Fonds, denn den beiden Fondsklassikern M&G Optimal Income und M&G Global Dividend steht der Umzug nach Luxemburg noch bevor. Wann genau er abgeschlossen sein wird und wie lange dort die historischen Daten unter Umständen fehlen werden, vermag M&G-Deutschland-Geschäftsführer Werner Kolitsch derzeit nicht zu sagen: „Wir arbeiten noch an den technischen Details.“

Noch zwei weitere Fondsklassiker könnten Leser in der vergangenen Ausgabe vermisst haben: den Pioneer US Pioneer Fund und den Pioneer Global Ecology. Diese waren allerdings nicht verschwunden, sie standen – und stehen auch künftig – nicht mehr am angestammten Platz: Nach der im Sommer 2017 abgeschlossenen Übernahme von Pioneer hat der französische Fonds-Multi Amundi der Pioneer-Palette nach und nach den eigenen Namensstempel aufgedrückt. Zu finden also unter A, nicht mehr unter P. Auswirkungen auf die Anlagepolitik oder historische Datenreihen gab es keine, am Ruder bleiben die beiden langjährig verantwortlichen Fondsmanager John Carey (Amundi U.S. Pioneer Fund) und Christian Zimmermann (Amundi Global Ecology).