Mifid II und Brexit US-Bank zögert mit Vermögensverwaltung in Europa

Die Investmentbank Oppenheimer & Co. hat ihren Hauptsitz in New York. | © Life Of Pix

Die Investmentbank Oppenheimer & Co. hat ihren Hauptsitz in New York. Foto: Life Of Pix

„Wir wissen nicht, zu welchen Vereinbarungen Großbritannien mit der EU kommen wird“, sagte Max Lami, heutiger Oppenheimer-Chef und früherer Banker bei Goldman Sachs Group, im Interview mit Bloomberg. „Wenn es in einem harten Brexit zu einem Offshore-Zentrum wird, könnte Wealth Management ein interessantes Geschäft sein. Oder es könnte ein weicher Brexit werden, was zu mehr Komplexität führen würde.“

Neueinstellungen geplant

Stattdessen wolle er in Geschäftsbereichen Neueinstellungen vornehmen wie Anleihen und Finanzierungen für Unternehmen, so Lami weiter. Oppenheimer hat vor neun Jahren damit begonnen, seine Europa-Niederlassung aufzubauen, mit Schwerpunkt auf das Wertpapiergeschäft in Aktien und Festverzinslichen und Corporate-Finance-Dienstleistungen für Unternehmen in den Branchen Technologie, Konsum und Gesundheit. Oppenheimer ist in der Region bekannt für die Begleitung von Börsengängen israelischer Unternehmen in den USA, darunter Wix.com und CyberArk Software.

Die Vermögensverwaltung in den USA generiert 67 Prozent der globalen Erträge von Oppenheimer, aber Lami will diesen Geschäftsbereich in mindestens den nächsten zwei Jahren nicht in Europa aufbauen - wegen der Unsicherheiten um den Brexit und die neue Marktregulierung, mit der ab Januar Analysen und Handelskosten getrennt werden.

Reporting wird mühsamer

Oppenheimer betreut rund 77 Milliarden US-Dollar an Kundengeldern. Die Gesellschaft hat im Vorfeld der neuen Regeln die Anzahl der Broker-Dealer in London von 25 auf 15 verringert. Lami zufolge wird die Regulierung mehr Transparenz schaffen, auch wenn das Reporting mühsamer wird.

„In den vergangenen Jahren ist ein Analysten-Bericht in einem gebündelten Angebot abgegolten worden, und wir konnten keinen eigenen Wert daran festmachen“, sagt Lami. „Wir müssen den Umfang des Research-Angebots neu an das Portemonnaie der Buy-Side anpassen. Das bedeutet, weniger Firmen werden Analysen erstellen, aber die Qualität des Inhalts wird insgesamt besser werden.“

Knappheit an Research

Eine nicht beabsichtigte Folge wird Lami zufolge sein, dass es eine Knappheit an Research zu Unternehmen mit kleiner und mittelgroßer Marktkapitalisierung geben wird. Das würde sich auf das Volumen von Börseneinführungen und die Liquidität der Kapitalmärkte in Europa auswirken, so Lami.

„Wenn große Banken die einzigen sind, die Research produzieren, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass sie sich auf große Unternehmen konzentrieren werden“, sagt Lami. „Mit weniger Anbietern von Analysen zu kleinen und mittelgroßen Unternehmen, könnte es dazu kommen, dass sich weniger von diesen für einen Börsengang als Option für die Kapitalbeschaffung entscheiden. Das wird sich auf die Liquidität der Märkte auswirken, weil die Small- und Mid-Caps weniger gehandelt werden.“