Prognose für 2020 Deutsche Fintechs werden 58 Milliarden Euro verwalten

Besucherin fotografiert mit dem Smartphone ein Feuerwerk. Fintech-Anbietern spielt auch die flächendeckende Vebreitung von digitalen Endgeräten in die Hände: Sie bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu den Angeboten | © Getty Images

Besucherin fotografiert mit dem Smartphone ein Feuerwerk. Fintech-Anbietern spielt auch die flächendeckende Vebreitung von digitalen Endgeräten in die Hände: Sie bieten einen niedrigschwelligen Zugang zu den Angeboten Foto: Getty Images

Im Jahr 2020 werden deutsche Finanztechnologie-Unternehmen 58 Milliarden Euro verwalten. 2025 könnten es 97 Milliarden und 2035 sogar schon 148 Milliarden Euro sein. Die Zahlen stammen aus einer Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums.

Mehrere Wirtschaftswissenschaftler haben im Auftrag des Ministeriums den deutschen Fintech-Markt analysiert. Sie haben eine Bestandsaufnahme gemacht und eine Prognose gewagt: Am deutschen Markt agierten Anfang 2016 insgesamt 433 Fintechs. 346 von ihnen konnten eine aktive Geschäftstätigkeit vorweisen. Damit liegt der deutsche Fintechmarkt nach Großbritannien in Europa auf dem zweiten Platz. Und könnte die Nummer eins bald überholen: Aufgrund der Rechtsunsicherheit im Zuge des britischen Ausschiedens aus der EU dürfte Großbritannien als Fintech-Standort in den vergangenen Monaten an Attraktivität eingebüßt haben, vermuten die Autoren.

Was genau fällt unter Fintech?

Die Geschäftsbereiche der Unternehmen, die unter dem Begriff Fintech zusammengefasst werden, sind recht heterogen. Um Ordnung in ein überübersichtliches Feld zu bringen, teilt die Analyse die Unternehmen in die vier Sektoren Finanzierung, Vermögensmanagement, Zahlungsverkehr und Sonstige – zum Beispiel Versicherungen, Suchmaschinen und Vergleichsportale – auf.

Die am deutschen Markt tätigen Fintechs aus den Segmenten Finanzierung und Vermögensmanagement haben zusammen ein Volumen von 2,2 Milliarden Euro. Fintechs aus dem Bereich Zahlungsverkehr tätigten im vergangenen Jahr Transaktionen in Gesamthöhe von 17 Milliarden Euro.

Die höchsten Zuwächse verzeichnet Robo-Advice

Fast alle der aufgeführten Einzelsegmente, in denen Fintech-Unternehmen aktiv sind, verzeichneten in den vergangenen Jahren sehr hohe Zuwächse. Der Bereich „Robo-Advice“ schlägt jedoch alle aus dem Feld: Die elektronischen Beratungsangebote konnten ihr Marktvolumen über die vergangenen Jahre hinweg in jedem Jahr verzehnfachen. Die Segmente Social Trading und Crowdinvesting wuchsen durchschnittlich mit jährlich dreistelligen Wachstumsraten.

Dem Megatrend Fintech mögen sich nur noch wenige der etablierten Marktakteure verschließen. 87 Prozent der in Deutschland aktiven Banken beteiligen sich bereits an Finanztechnologie-Anbietern, arbeiten mit ihnen zusammen oder planen eine Kooperation für die Zukunft, stellt die Analyse fest.

Obwohl die zumeist noch recht jungen Unternehmen die Branche gehörig durcheinandergewirbelt und hohe Volumina auf sich gezogen haben, stellen sie bislang noch kein systemisches Risiko dar, folgern die Autoren. Sollte der Bereich jedoch weiterhin so dynamisch wachsen wie bisher, könnte auch von ihnen bald Wohl und Wehe des gesamten deutschen Finanzmarktes abhängen.