Wirtschafts-Supermächte im Handelskrieg Robeco: China hat mehr zu verlieren als die USA

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Ein weiterreichender Plan der USA?

Mehr noch: Aus US-Sicht könnte ein Handelskrieg Teil eines weiterreichenden Planes sein, der Machtausweitung Chinas auf globaler Ebene entgegenzutreten. Einige Mitglieder der US-Regierung machen sich Sorgen um die zunehmende technologische Dominanz Chinas und wollen das Vorhaben „Made in China 2025“ durchkreuzen, mit dem die Pekinger Regierung in zentralen Technologiebereichen bis zum genannten Jahr die globale Vorherrschaft anstrebt.

Doch es gibt Möglichkeiten, dies auch jenseits von Einfuhrzöllen zu tun. Hierzu zählt beispielsweise ein Verbot chinesischer Investitionen in Bereiche der US-Wirtschaft, die als strategisch wichtig gelten, oder eine Begrenzung der Visumvergabe an chinesische Studenten.

Allerdings bestehen auch Risiken für die USA. Die direkten Auswirkungen von Zöllen auf US-Importe durch China sind zwar begrenzt. Jedoch kann es zu einer ganzen Reihe indirekter Effekte kommen, die schwerer zu messen sind, beispielsweise eine etwas höhere Inflation, niedrigeres Wachstum und das Risiko eines sinkenden Vertrauens in der Industrie.

Einige US-Unternehmen haben gegenüber der Notenbank Federal Reserve bereits signalisiert, dass sie Investitionsentscheidungen aufgeschoben haben. Außerdem können die Einfuhrzölle natürlich auch die globalen Zulieferketten auf schwer zu prognostizierende Weise beeinträchtigen, was sich auch zulasten der USA auswirken könnte.

Zweite Front gegenüber der EU

Unterdessen tut sich eine weitere Front gegenüber der europäischen Staatengemeinschaft auf: Nachdem US-Präsident Trump Zölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium aus der EU, China und Kanada angekündigt hatte, schlugen alle drei mit Zöllen auf US-Importe zurück. Im Gegenzug haben die Vereinigten Staaten nun damit gedroht, europäische Autos mit einem Zoll von 20 Prozent zu belegen, da Trump der Ansicht ist, dass sich auf US-Straßen zu viele Modelle insbesondere aus deutscher Produktion tummeln. Auch hierbei handelt es sich nicht um eine Einbahnstraße: Der legendäre US-amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson reagierte mit der Ankündigung, seine Produktion in Europa auszuweiten, um so den höheren Kosten bei einem Import aus den USA zu entgehen.

Für die USA besteht ein „pervertierter Anreiz“

Eine Dämpfung der optimistischen Anlegerstimmung könnte ironischerweise US-Staatsanleihen und dem US-Dollar zugutekommen, die traditionell als sichere Häfen gelten. Sogar US-Aktien könnten profitieren, da sie am globalen Markt als relativ sicher angesehen werden. Demnach besteht für die USA eine Art pervertierter Anreiz.

Präsident Trump hat zumindest gezeigt, dass er für Signale seitens des Aktienmarkts empfänglich ist. Für Anleger ist das ein beruhigender Gedanke für den Fall, dass es an den Börsen abwärts geht.