3 Prozent, und nun? Anleihe-Spezialist Paul Brain: „Dann könnte es kritisch werden“

Anleihechef Paul Brain: „Die Marke hat nichts Magisches“ | © Newton IM

Anleihechef Paul Brain: „Die Marke hat nichts Magisches“ Foto: Newton IM

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen hat zum ersten Mal seit vier Jahren die Marke von 3 Prozent überschritten. Was bedeutet das für Anleger?

Paul Brain: Aus unserer Sicht hat diese Marke nichts Magisches an sich. Anleihen werden gegenüber Aktien wieder attraktiver. Das verunsichert die Börsen. Es stellt sich die Frage, ab welchem Renditeniveau Investoren von risikoreicheren Anlagen in sichere Häfen wie die zehnjährigen Treasuries umschichten.

Welche Renditen erwarten Sie von zehnjährigen US-Staatsanleihen in den kommenden Monaten?

Brain: Die nächsten Renditeschritte sind aus unserer Sicht 3,1 und 3,4 Prozent, falls es nicht wieder zu einem Einbruch am Aktienmarkt wie zuletzt im Februar kommt. Wir schauen natürlich genau hin, ab wann sich ein Renditeanstieg auf die reale Wirtschaft auswirkt. Denn für Unternehmen wird die Fremdkapitalaufnahme teurer und Verbraucher müssen mit höheren Zinsen für Hypotheken und Autokrediten in den USA rechnen. Die Folge: Unternehmen investieren weniger und Verbraucher geben weniger Geld aus. Dann könnte es kritisch für das Wirtschaftswachstum werden.

Welche Auswirkung hat der US-Renditeanstieg auf europäische Anleihen?

Brain: Ein Renditeanstieg in den USA wird sicherlich negative Folgen für den europäischen Anleihemarkt haben, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Europäische Zentralbank hält momentan noch an ihrem Anleiheankaufprogramm fest. Anders als in den USA sind die Inflation und die Leitzinsen niedrig. Deshalb erwarten wir, dass der Abstand zwischen US- und europäischen Anleihen größer wird.

Wann halten Sie es für einen guten Zeitpunkt, in US-Anleihen zu investieren?

Brain: Die letzten haushaltspolitischen Anreize in den USA – Stichwort Steuerreform – haben das Wirtschaftswachstum temporär weiter angekurbelt. Möglicherweise müssen wir bis zum dritten oder vierten Quartal warten, um abschätzen zu können, ob die Straffungsmaßnahmen der Fed ausreichend waren. Das dürfte eine gute Einstiegsgelegenheit in den US-Anleihemarkt darstellen.

Ein Anstieg der Inflation könnte den Renditeanstieg bei Anleihen allerdings schmälern. Wie lautet Ihr Szenario?

Brain: Wir erwarten, dass die Inflation in den USA auf 2,3 Prozent ansteigen, sich in der Eurozone dagegen bei rund einem Prozent bewegen wird. Wenn Anleger eine steigende Inflation befürchten, können sie beispielsweise in sogenannte „Treasury Inflation Protected Securties“, Tips, oder andere inflationsgeschützte Anleihen investieren.

Was erwarten Sie von der Fed und EZB noch in diesem Jahr?

Brain: Wir gehen davon aus, dass die amerikanische Zentralbank dieses Jahr die Leitzinsen noch drei Mal anheben wird. Die EZB wird unserer Einschätzung nach ihr Anleihekaufprogramm im September beenden, aber die Zinsen unverändert lassen.