Blackrock-Monatsbilanz für April US-Anleihen drehen ins Plus

Times Square in New York: Für europäische Anleger bleibt das hohe Zinsniveau in den USA weitestgehend ein Wunschtraum. | © Getty Images

Times Square in New York: Für europäische Anleger bleibt das hohe Zinsniveau in den USA weitestgehend ein Wunschtraum. Foto: Getty Images

Was sich im April an den US-Anleihemärkten abgespielt hat, verdient besondere Aufmerksamkeit: Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sind erstmals seit dem Jahr 2014 wieder über die Marke von 3 Prozent geklettert. Zudem gibt es in den USA trotz moderat steigender Inflationserwartungen wieder einen spürbar positiven Realzins.

Während das Erklimmen der 3-Prozent-Marke der US-Treasuries ein eher emotionales Thema ist, sorgt der positive risikolose Realzins aus unserer Sicht für ein völlig neues Marktumfeld. Anleger auf der Suche nach verlässlichen Einkommensströmen sind dadurch weniger stark gezwungen, auf riskante Asset-Klassen auszuweichen. Oder anders ausgedrückt: Zu keiner Zeit seit Ende der Finanzkrise war es für einen Bond-Investor weniger notwendig, die Rating- und Kapitalstruktur hinunterzuklettern, um auskömmliche Erträge zu erzielen.

Mit dem Regimewechsel am US-Rentenmarkt hat sich die Attraktivität kurzlaufender US-Anleihen deutlich erhöht. Das Rendite-Risiko-Profil riskanter Anlagen wie Hochzinsanleihen und Aktien hat sich schließlich relativ zu dem von kurzlaufenden US-Staatsanleihen signifikant verschlechtert. Einige Portfoliomanager dürfte diese Entwicklung zum Umdenken bewegen.

Europäische Anleger haben das Nachsehen

Für europäische Anleger bleibt das hohe Zinsniveau in den USA weitestgehend ein Wunschtraum, da die teuren Absicherungskosten für das Währungsrisiko den Renditevorsprung gegenüber europäischen Titeln auffressen. Ohnehin müssen europäische Investoren auf ihrem Heimatmarkt weiter darben, da der Zinsanstieg in den USA in den vergangenen Wochen in der Eurozone kaum nachvollzogen wurde.

Ursächlich für den verhaltenen Zinsanstieg waren hierzulande die jüngst enttäuschenden Fundamentaldaten. Sowohl „weiche“ Barometer wie Frühindikatoren als auch „harte“ Daten wie Zahlen zur Industrieproduktion lieferten ein ernüchterndes Bild. Anleger nahmen diese Schwäche zum Anlass, um über eine mögliche Verlängerung des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) zu spekulieren. Konsequenz war eine sich deutlich ausweitende Renditedifferenz zwischen den USA und der Eurozone. Der Abstand zwischen der Rendite zweijähriger deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen ist so hoch wie seit rund 30 Jahren nicht mehr.

Prognose: EZB beendet Anleihekaufprogramm im Herbst

Die schwachen Fundamentaldaten aus Europa lassen sich unserer Ansicht nach vor allem auf Sonderfaktoren wie das außergewöhnlich schlechte Wetter im ersten Quartal, den besonders hohen Krankenstand des Personals sowie das frühen Osterfest zurückführen. Wir bleiben bei unserer Vermutung, dass die EZB im Herbst dieses Jahres ihre Nettoankäufe an den Rentenmärkten einstellen wird.

Der Euro-Dollar-Wechselkurs reagierte im April auf die sich ausweitende transatlantische Zinsdifferenz. Der April war der schwächste Monat der europäischen Gemeinschaftswährung seit Dezember 2016. Europäische Aktien profitierten allerdings von der Euro-Schwäche und konnten US-Aktien in punkto Jahresperformance wieder überholen.

Auch in den kommenden Monaten stehen die Zeichen auf steigende Zinsen – vor allem in den USA. Da langfristige strukturelle Faktoren wie etwa das hohe Maß an globalen Ersparnissen weiter auf das Zinsniveau drücken, dürfte sich der Anstieg allerdings in Grenzen halten. Für die Aktienmärkte ist das eine gute Nachricht.