Vermögensverwalter Marc-Oliver Lux Aktienrückkäufe sind ein Warnsignal

General Electric gehörte zu den ganz großen Rückkäufern ebenso wie IBM, Nokia, Motorola und BlackBerry. Bezeichnenderweise sind sie alle heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. | © Getty Images

General Electric gehörte zu den ganz großen Rückkäufern ebenso wie IBM, Nokia, Motorola und BlackBerry. Bezeichnenderweise sind sie alle heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Foto: Getty Images

Marc-Oliver Lux

Viele Analysten mögen Aktienrückkäufe. Sie weisen darauf hin, dass die Unternehmen damit eine mangelnde Nachfrage der Aktienfonds ausgleichen. Wenn man als Aktionär so etwas liest, sollte man aufschrecken. Bedeutet es doch, dass die Fonds nicht investieren wollen und dass folglich die Aktien der Unternehmen gar nicht so begehrenswert sind, wie der Börsenkurs vorgaukelt. Der hohe Kurs ist also kein Spiegelbild der gesunden Verfassung des Unternehmens, sondern das Ergebnis eines künstlich verknappten Angebots an Aktien.

Tatsächlich sind Aktienrückkäufe oft ein Armutszeugnis für die Unternehmen. Sie zeigen, dass dem Management nichts Besseres einfällt, was es mit dem Geld machen könnte: neue Werke bauen, neue Technologien entwickeln oder neue Märkte erobern. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Unternehmen, die überdurchschnittlich viele Aktien zurückgekauft hatten, letztlich enorme Probleme bekamen, weil sie das Geld eben nicht in zukunftsträchtige Technologien, Produkte oder Märkte gesteckt hatten.

General Electric gehörte zu den ganz großen Rückkäufern ebenso wie IBM, Nokia, Motorola und BlackBerry. Bezeichnenderweise sind sie alle heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Absurde Auswüchse nimmt es an, wenn Unternehmen mehr für den Rückkauf der Aktien ausgeben, als sie an Gewinn erwirtschaftet haben. So hat Hewlett-Packard zwischen 2007 und 2016 insgesamt 57 Milliarden US-Dollar für Rückkäufe ausgegeben, obwohl der Konzern im selben Zeitraum nur 44 Milliarden Dollar Gewinn machte.

Ein Luxusproblem

Dass es gerade 2018 in den USA zu einem neuen Rekord bei den Aktienrückkäufen kommt, liegt vor allem an Trump. Mit der Senkung der Unternehmenssteuern und den steuerlichen Anreizen, im Ausland gehortetes Kapital zurückzuführen, kommt auf die amerikanischen Unternehmen ein Milliardensegen zu. Die Schätzungen für die eingesparten Unternehmenssteuern liegen bei insgesamt 1,5 Billionen US-Dollar, die für das zurückkehrende Kapital bei insgesamt bis zu zwei Billionen Dollar.

Die Unternehmen haben also ein einmaliges Luxusproblem. Sie haben zu viel Geld. Nicht alle Unternehmen sind in der Lage, dieses Geld in Investitionsprojekte zu stecken, die sich langfristig rechnen. Die Folge: Trumps Steuergeschenke kreieren nicht nur „Jobs, Jobs, Jobs“, wie vom Präsidenten prophezeit, sondern vor allem „Geld, Geld, Geld“ für Aktionäre.

Die Freude der Aktionäre an der Kurspflege könnte also von kurzer Dauer sein. Wenn Unternehmen nur in Rückkäufe investieren, schaffen sie keine Grundlage für mehr Geschäft in den kommenden Jahren. Irgendwann rächt sich das.