Ansgar Neisius (Chefredakteur)Lesedauer: 4 Minuten

Amundi-Deutschland-Chef im Interview „Nachhaltigkeit ist bei uns Chefsache“

Christian Pellis hat zu Jahresbeginn die langjährige Amundi-Deutschland-Verantwortliche Evi Vogl abgelöst.
Christian Pellis hat zu Jahresbeginn die langjährige Amundi-Deutschland-Verantwortliche Evi Vogl abgelöst. | Foto: Slavica

DAS INVESTMENT: Die Offenlegungsverordnung ist da und Amundi hat bereits über 500 Fonds als ESG- oder Impact-Produkte nach Artikel 8 oder 9 SFDR gelistet. Was können Sie, wo andere langsamer vorankommen?

Christian Pellis: Da muss man zurück ins Jahr 2010 gehen. Damals wurde Amundi gegründet und das Thema Nachhaltigkeit war eines unserer vier Grundpfeiler vom Start weg. 2018 haben wir dann beschlossen, dass wir bis Ende 2021 dafür sorgen wollen, dass die ESG-Ratings unserer Fonds im Durchschnitt besser sind als der Marktdurchschnitt der ESG-Fonds. Ein Riesenprojekt, das unser ehemaliger Vorstandsvorsitzender Yves Perrier zur Chefsache gemacht hat. Alle Fondsmanager mussten an einem Strang ziehen.

Ist es denn schwieriger, Fonds nach Nachhaltigkeitskriterien zu managen?

Pellis: Zunächst denkt man das. Aber nachdem wir einen Großteil des Projekts gestemmt haben, kann man rückblickend sagen, dass es deutlich weniger aufwendig war, als man anfangs dachte.

Worauf kommt es bei der Umstellung an?

Pellis: Ein wichtiger Faktor ist, dass so ein Projekt Chefsache ist. Damit hat es automatisch für das gesamte Unternehmen eine hohe Wichtigkeit. Das und die zunehmende Nachfrage der Kunden hat uns als Haus geholfen umzudenken. Zudem konnten wir auf einige Erfahrungen mit bestehenden Fonds, wie dem Amundi Global Ecology ESG und dem Amundi Ethik Fonds, zurückgreifen, die es seit mehr als 30 Jahren gibt und deren Portfoliomanager auch in den Konzern hineinwirken und uns natürlich bei Kundengesprächen helfen, unsere Nachhaltigkeits-DNA griffig zu machen. Zudem spielt die IT eine wichtige Rolle …

…, wo Sie mit Amundi Technology ein eigenes Geschäftsfeld aufmachen.

Pellis: Genau. Mit Amundi Leading Technology and Operations, kurz Alto, bieten wir unser eigenes Portfoliomanagement- System anderen Asset Managern und Vermögensverwaltern an. Die Cloud-basierte Software deckt die komplette Wertschöpfungskette in der Vermögensverwaltung ab, inklusive Portfolioanalyse und -simulation, Order-Management, Compliance, Middle Office sowie Risiko- und Performance-Messung und Reporting. Und natürlich bietet es Nutzern die gleiche ESG-Landschaft im Portfoliomanagement, wie wir sie nutzen.

Kommen Sie damit nicht etwas spät an den Markt? Es gibt ja schon Lösungen von anderen großen Asset Managern.

Pellis: Wir denken, dass wir mit unserem Angebot zum richtigen Zeitpunkt in den Markt gehen. Bereits bei 24 Kunden in Europa und Asien sind Technologie-Lösungen von Amundi implementiert, davon sind allein elf im vergangenen Jahr hinzugekommen. Aber Alto ist nicht eine Lösung, sondern besteht aus unterschiedlichen Modulen. Alto Investment ist eine flexible Plattform, die die gesamte Wertschöpfungskette von Vermögensverwaltern abdeckt. Alto Wealth and Distribution bietet eine Reihe von Portfoliomanagement- und Beratungslösungen. Hier sind wir mit der Hypovereinsbank und deren Premium-Invest-Angebot in einem sehr spannenden Projekt, bei dem Kundenberater durch ein Beratungs-Tool in der Lage sind, dem Kunden ein nachhaltiges Portfolio aufzubauen – und das schon ab 25.000 Euro Kundenvermögen. Alto Employee Savings & Retirement ist eine konsolidierte Front-to-Back-Management- Plattform, die für die betriebliche Altersvorsorge gedacht ist. Für uns ein sehr wichtiges Modul, da wir davon ausgehen, dass in Zukunft die private Altersvorsorge immer wichtiger werden wird. Und Alto Specialized Solutions: Hier können Funktionen individuell angepasst werden, etwa für das Asset Servicing oder Nachhaltigkeitsdaten und ESG-Ratings. Sie sehen, das Thema Lösungen spielt für uns in Zukunft eine große Rolle.

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