Aktien-Einschätzung Konstruktiv – trotz kurzfristiger Ermüdung

Erfrischung im Kaspischen Meer vor Bohrinseln in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Von steigenden Ölpreisen profitieren vor allem Schwellenländer | © Getty Images

Erfrischung im Kaspischen Meer vor Bohrinseln in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku. Von steigenden Ölpreisen profitieren vor allem Schwellenländer Foto: Getty Images

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unterstützen ein Umfeld steigender Gewinnen je Aktie erhöhter Investitionen. Dennoch rechnen wir nach einem starken 2017 mit einer technischen Pause, in der die Anleger versuchen dürften, ihre Gewinne zu sichern. Dies kann als Chance gesehen werden, den Fokus stärker auf die individuelle Story der einzelnen Unternehmen zu richten, um die Auswirkungen eines möglichen Anstieg der Volatilität im diesem Jahr einzugrenzen (siehe Grafik). Aus einer strukturellen Perspektive heraus sehen wir in den Schwellenländern noch Spielraum, zu den Industrieländern aufzuschließen.

Europa

Die sehr guten wirtschaftlichen Bedingungen und noch konstruktive relative Bewertungen dürften europäische Aktien auch weiterhin unterstützen. Das Gewinnwachstum im vierten Quartal 2017 wurde zwar durch den Anstieg des Euro sowie der Rohstoffpreise beeinträchtigt, entsprach aber den Erwartungen. Angesichts der bisherigen kräftigen Rally könnte die Konsolidierung an den Börsen durchaus noch anhalten. Wir erachten ein neutrales Beta-Engagement im Markt derzeit als angemessen; Anleger sollten sich hierbei nach Erfolgsstorys auf der Einzeltitelebene umsehen und dabei den Fokus auf Profitabilität, Qualität, Cash-Generierung sowie das Wachstumspotenzial richten.

USA

Wenn die Steuerreform in den USA umgesetzt wird, erwarten wir eine Fortsetzung des Outperformance-Trends, der sich seit Jahresmitte entwickelt hat. Während der Markt neue Rekordhochs ansteuert, entspricht die Risikoprämie bei Aktien noch den historischen Durchschnitten und zeigt bislang noch keine Anzeichen von Blasen, wie dies während der Technologie- oder der Immobilienkrise zu beobachten war. Am Markt hat sich die Diskussion über die erreichten hohen operativen Margen verstärkt beziehungsweise auf den darauf lastenden Druck gerichtet. Wir haben im vergangenen Jahr beim Umsatzwachstum auf Gesamtmarktebene einen ansteigenden Trend erlebt, der in 2018 anhalten könnte, allerdings auch im Markt allmählich eingepreist sein dürfte.

Generell bleiben wir in bestimmten Marktbereichen, die bereits extreme Bewertungen erreicht haben, vorsichtig. Dazu zählen die als defensiv geltenden Aktien von Unternehmen, die mit beispiellosen Herausforderungen hinsichtlich der Stabilität ihrer Geschäftsmodelle konfrontiert werden (vor allem bei Unternehmen des Basiskonsumgütersektors). Wir sehen auf selektiver Basis gute Gelegenheiten in den Sektoren Technologie, Energie, Konsum, Einzelhandel sowie Vertrieb. Auch bei Banken halten wir Ausschau nach Wertschöpfungsmöglichkeiten, da sie von einem zu erwartenden Zinsanstieg profitieren sollten.

Emerging Markets

Erstmals seit 2010 kommen aus den Schwellenländern überwiegend positive Gewinnkorrekturen und auch die Bewertungen sind auf relativer Basis attraktiv. Auf Sektorebene finden sich in dieser Wachstumsphase die besten Chancen weiterhin bei zyklischen Unternehmen. Aus regionaler Perspektive ist Russland noch immer unterbewertet und profitiert zudem vom jüngsten Ölpreisanstieg. Positiv sehen wir auch China, wo sich der New-Economy-Sektor zu einem wesentlichen Faktor für das Gesamtwachstum entwickelt.